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Presse 2008


30. Dezember 2008:
"Orgelfeuerwerk bewusst erst spät"
Kantor Hans Kielblock zum nächtlichen Silvester-Konzert der Ringkirche

Das Gespräch führte Marianne Kreikenbom
 

 

Seit 2006 veranstaltet er zu Silvester ein "Orgelfeuerwerk": Ringkirchen-Kantor Hans Kielblock.Foto: privat

 

 

"Orgelfeuerwerk" nennt Kantor Hans Kielblock von der Ringkirche sein Silvesterkonzert, das er seit 2006 alljährlich veranstaltet. Es beginnt anderthalb Stunden vor Mitternacht und endet rechtzeitig, damit niemand etwa das Feuerwerk vor dem Kurhaus verpasst. Wer möchte, kann aber auch in der Ringkirche das alte Jahr ausklingen lassen.

Sie haben 2006 Ihr Amt als Kantor an der Ringkirche angetreten und im selben Jahr das "Orgelfeuerwerk" eingeführt. Was ist das Besondere an Ihrer Veranstaltung?
Kielblock: Orgelkonzerte zu Silvester waren und sind in Wiesbaden nichts Neues. Marktkirche und Bonifatiuskirche veranstalten sie seit vielen Jahren, allerdings schon am frühen Abend. Das Ringkirchen-Orgelfeuerwerk beginnt ganz bewusst erst um 22.30 Uhr. Damit sollte es möglichst nah an Mitternacht heranrücken, aber auch nicht allzu dicht, damit jeder noch zu seiner privaten Silvesterfeier gehen kann oder zum Kurhausfeuerwerk. Das funktioniert sehr gut. Bei unserer Veranstaltung ist der Eintritt frei, aber Geldspenden am Ausgang nehmen wir gern entgegen.

Einige Konzertbesucher bleiben Silvester auch noch bis Mitternacht in der Ringkirche. War das so geplant?
Kielblock: Beim ersten "Orgelfeuerwerk" 2006 hatten Mitglieder des Kirchenvorstandes die Besucher nach dem Konzert zu einem Teller "Mitternachtssuppe" und einem Glas Punsch in die Reformatorenhalle gebeten. Viele nahmen das Angebot gern an. Diese lockere Einladung zum Bleiben hat sich eingebürgert. Der Blick von der Reformatorenhalle auf das Feuerwerk in der Rheinstraße ist sehr eindrucksvoll.

Sie betreuen seit vergangenem Jahr die neue Orgel in der Kapelle der Asklepios Paulinen-Klinik und spielen dort. Diesmal auch zu Silvester?
Kielblock: Am 31. Dezember um 18 Uhr werde ich in der Kapelle "Silvesterliche Paulinenklänge" vorstellen, ein überwiegend heiteres Programm mit Orgelstücken von Bach bis heute. Nach dem Konzert sind alle Besucher zu einem Glas Sekt eingeladen. Auch hier nehmen wir keinen Eintritt, freuen uns aber über Spenden.

Zurück zur Ringkirche. Welches Programm haben Sie fürs nächtliche "Orgelfeuerwerk" zusammengestellt?
Kielblock: Das wird nicht verraten, denn es soll jedes Mal eine Überraschung sein. Nur soviel: Es handelt sich um Stücke, die mit einem Augenzwinkern komponiert wurden und leicht zu hören sind. Besinnliches ist auch dabei. Die Grundidee ist ein fröhliches Feuerwerk. Musikalische Gäste schließe ich an diesem Abend übrigens nicht aus. Die Besucher dürfen gespannt sein.

Sie moderieren Ihre Silvesterkonzerte selber und äußern dabei auch Gedanken zu Ereignissen des alten Jahres. Das ist eher ungewöhnlich, oder?
Kielblock: Zumindest erwartet das niemand von einem Kantor. Es gab auch kontroverse Diskussionen dazu. Aber einmal im Jahr nehme ich mir das Recht zu ungewöhnlichen Wortbeiträgen. Es ist ja mehr ein assoziatives Erzählen, das hier und da ein politisches Ereignis betrifft, aber keine Stellungnahme bedeutet. Als Moderator bin ich weniger Kantor als vielmehr Mensch.

Wie resümiert der Mensch und Kantor sein Jahr 2008?
Kielblock: Privat bin ich Patenonkel eines wunderbaren kleinen Mädchens geworden, und als Kantor freue ich mich, dass 2008 musikalisch an der Ringkirche ein Knoten geplatzt ist. Alle Gruppen verzeichnen einen Zuwachs an Mitgliedern. Das betrifft die "Kirchenstreicher" ebenso wie die Kantorei mit gegenwärtig 50 Mitgliedern. Fast explosionsartig verfünffachte sich die Mitgliederzahl des Kinderchores. Offenbar wird die Ringkirche zunehmend als Ort der Musik wahrgenommen, deshalb orientieren sich die Menschen aus dem Viertel musikalisch wieder hierher.

Wiesbadener Tagblatt


29. November 2008:
Gut gerüstet für die Adventszeit
Bis Heiligabend werden am Turm der Ringkirche 24 Türchen geöffnet




Der eingerüstete Turm der Ringkirche ist mit 40 Metern der höchste Adventskalender Wiesbadens. RMB/Windolf








WIESBADEN Die Sanierung der Ringkirche und das Turmgerüst des fünften Bauabschnitts machen es möglich: Mit knapp vierzig Metern geht am Montag der höchste Adventskalender Wiesbadens in Betrieb. Die Idee dazu hatte der leitende Architekt Reinhold Hytrek.

Von Marianne Kreikenbom

"So ein Gerüst wie jetzt am Turm der Ringkirche fasziniert jeden, der mit Bau zu tun hat oder sich dafür interessiert", erklärte Hytrek seinen kreativen Vorschlag. Es verlange geradezu danach, dass man etwas Besonderes daraus macht. "Die rund 700 Quadratmeter große, mit einer Schutzplane abgehängte Fläche zur Rheinstraße war eine Herausforderung für die Phantasie der Architekten." Das Raster für Adventskalendertüren sei gewissermaßen vorgegeben gewesen.

Illuminierte Türchen

Am Gerüst sind vierundzwanzig nummerierte "Türchen" aus Sperrholzplatten befestigt und mit Lichterketten gerahmt. Jeden Abend um 18 Uhr wird das Türchen des Tages illuminiert in bunter Reihenfolge von eins bis vierundzwanzig. Über dem Eingang zur Reformatorenhalle erstrahlt am 24. Dezember das größte und schönste Türchen. Marco Beyers von der Elektro-Firma Kurt Kuhl & Sohn aus Friedberg schaltete gestern Mittag schon mal auf Probe. Es funktionierte perfekt.

Den Strom für den Adventskalender liefert Eswe Versorgung kostenlos, und die Gesamtkosten der im doppelten Sinne einmaligen Aktion teilen sich alle an der Ringkirchensanierung beteiligten Firmen mit Spenden zwischen 100 und 650 Euro. Auch das evangelische Dekanat Wiesbaden und die evangelische Kirche in Hessen und Nassau unterstützten das 8350 Euro teure Projekt mit einem Zuschuss. "Kein einziger Cent davon stammt aus unserem Spendentopf für die Ringkirchensanierung", betonte Pfarrer Ralf-Andreas Gmelin. Zunächst habe es durchaus Diskussionen und geteilte Meinungen zu einem solchen Vorhaben gegeben, berichtete Elke Flentge, Vorsitzende des Kirchenvorstandes. Sollte es nur ein Adventskalender wie jeder andere sein, ohne christliche Botschaft? Man habe sich schließlich darauf geeinigt, das symbolische Öffnen der Türen mit der frohen Botschaft von der Geburt Christi zu verbinden.

Fürchtet euch nicht!

Parallel zum "Countdown" der gezählten Tage erscheint nun nach und nach und Wort für Wort auf einem weithin sichtbaren Laufband auch jene Verkündigung des Engels, die beginnt: "Fürchtet euch nicht!" Seit wann es Adventskalender gibt und seit wann hinter den Türen statt der einst frommen Szenen die heutigen Märchenfiguren, Weihnachtsgeschenke und Schokolädchen stecken, erläutert vor Ort eine Informationstafel.

Begleitend zur Illumination steht allabendlich nach 18 Uhr die Tür der Reformatorenhalle offen. Wechselnde Vorleser bringen dann vorweihnachtliche Lieblingsgeschichten zu Gehör. Elke Flentge bedankte sich bei allen Firmen und Spendern für ihr Engagement. "Dieser Adventskalender ist ein großes Geschenk, das Sie unserer Gemeinde und darüber hinaus der Stadt machen." Eine Wiederholung des Ringkirchen-Adventskalenders wird es nicht geben. Denn - so hofft nicht nur Elke Flentge - Weihnachten 2009 wird die Ringkirche ohne Baugerüst am Platz stehen.

Wiesbadener Tagblatt / Wiesbadener Kurier / Mainzer Allgemeine Zeitung



28. November 2008:
Tafeln wie bei Bach

Das Interview führte Marianne Kreikenbom

 

 

 

Elke Flentge ist die Vorsitzende des Kirchenvorstandes der Ringkirche. Foto: Privat

 

 

 

Nach Tafelrunden (fast) wie zu Zeiten Luthers, Melanchthons und der heiligen Elisabeth wird am Samstag, 6. Dezember, um 19 Uhr in der Reformatorenhalle der Ringkirche erneut historisch aufgetischt. "Tafeln wie bei Johann Sebastian Bach" heißt es dann. Margrit Gutta von der "Werkstatt für Kochkunst und Geschichte" liefert dazu ein passendes Menü und Kirchenvorsteherin Elke Flentge hier schon mal eine Vorschau auf das Ereignis.

Sie würden sich mit der Veranstaltung durch die gesamte Reformatorenhalle essen, haben Sie vor kurzem in Anspielung auf die dort abgebildeten historischen Persönlichkeiten gesagt. Was hat Luther mit Bach zu tun, und wer bleibt nach Bach noch übrig?

Flentge: Luther und Bach gleichen sich in ihrer Überzeugung, dass die Bibel vom Geist Gottes getragen sei. Wenn Bach biblische Texte vertont, möchte er sie so in Musik übersetzen, wie Luther die Schrift ins Deutsche übersetzt hat. Außer Bach sind in der Reformatorenhalle noch Paul Gerhardt sowie Philipp Jakob Spener und Friedrich Schleiermacher dargestellt.

Da Bach 1685 geboren wurde und somit rund zweihundert Jahre nach Luther lebte und speiste, könnte nun ein frischer Wind in die Speisekarte kommen. Wie sieht das Menü aus?

Flentge: Zum Auftakt gibt es ein cremiges Kartoffelsüppchen, anschließend Hering und eine Pfanne mit "Eingeschnittenem", das unter anderem aus Birnen, Schinken und Kartoffeln besteht. Danach serviert Gutta Rinderbraten mit Leipziger Allerlei, und zum Schluss Kirschkompott, Gebäck, Weihnachtsstollen und Kaffee.

Ein Abend an Bachs Tafel ohne Bachs Musik ist unvorstellbar. Sie haben einen Musiker eingeladen. Wer spielt bei Ihnen Bach?

Flentge: Wir haben Tobias Braun eingeladen, einen jungen Wiesbadener Pianisten, der unserer Gemeinde verbunden ist. Er wird zwischen den einzelnen Gängen Bachs Französische Suite in E-Dur spielen, die wegen ihres leichten, tänzerischen Stils sehr gut zu diesem Abend passt.

In den vorangegangenen Veranstaltungen sind Sie erfolgreich als Frau Luther und treue Magd der heiligen Elisabeth im Einsatz gewesen. Sitzen Sie diesmal als Bachs zweite Frau Anna Magdalena am Tisch?

Flentge: Alles will ich nun auch nicht vorher verraten! Eine Überraschung wird es auf jeden Fall geben. Das sind wir schon dem Datum unseres "Tafelns wie bei Bach" schuldig. Der 6. Dezember ist Nikolaustag.

Auch der Erlös des Bach-Abends kommt Ihrer Aktion "Rettet die Ringkirche" zugute. Mit einem Spendenaufkommen von 100 000 Euro will sich die Gemeinde an den Sanierungskosten beteiligen. Wie ist der aktuelle Stand?

Flentge: Aktuell beträgt die Höhe des Spendenaufkommens rund 72 000 Euro. Dafür möchte ich auch an dieser Stelle allen Spendern danken. Derzeit läuft der fünfte Bauabschnitt, der sechste und letzte soll im Frühsommer nächsten Jahres beginnen. Wir hoffen, dass bis Ende 2009 die Außensanierung unserer Ringkirche abgeschlossen ist. Danach soll die Wiederherstellung der Außenanlage erfolgen.

Haben Sie an Bachs Tafel noch Plätze frei?

Flentge: Leider nicht. Das ist zwar schade für die Leser Ihrer Zeitung, aber wir freuen uns natürlich, dass dieser Abend ausgebucht ist. Da es bereits eine Warteliste gibt, überlegen wir, ob wir im Frühjahr 2009 ein weiteres Essen veranstalten.

Wiesbadener Tagblatt



21. November 2008:
Eventmanagement zum Heiligen Abend
Küster Wolfgang Schorling bereitet sich auf das Fest vor



Auch das Kerzenanzünden gehört zur Arbeit von Wolfgang Schorling als Küster und Hausmeister der Ringkirche.Foto: wita / Paul Müller

 

WIESBADEN Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit erleben die Kirchengemeinden einen solchen Zulauf, wie er sich sonst eher selten bietet. Auf der anderen Seite läutet der erste Advent ein großes Plus an Arbeit für die Mitarbeiter der Gemeinden ein. Wolfgang Schorling, Küster der Ringkirche, versteht sich daher als ein Profi auf vielen Gebieten.

Von Thorsten Glesmer

Seit dem Jahre 2001 ist der 41-jährige Schorling Küster der Ringkirchengemeinde. Der Wunsch seiner Frau, das rheinland-pfälzische Worms für eine größere Stadt zu verlassen, führte ihn vor sieben Jahren in die hessische Landeshauptstadt. Seitdem ist er als Küster und Hausmeister in Personalunion für seine Gemeinde im Einsatz.

"Vor einigen Jahren waren die Stellen des Küsters und Hausmeisters noch getrennt voneinander besetzt", weiß Wolfgang Schorling zu berichten. Nach dem Zusammenschluss beider Positionen eignete sich der gelernte Gas-Wasser-Installateur das Wissen beider Bereiche an. "Eine Ausbildung zum Küster gibt es eh nicht", schließt er an.

In der Eigenschaft als Küster obliegt dem vielseitigen Experten zunächst die Begleitung der Gottesdienste. Von dem Stecken der Liedtafeln, der Vorbereitung des Abendmahls, über das Austeilen und Einsammeln der Gesangsbücher bis hin zu dem Läuten der "Vater Unser Glocke" ruht der reibungslose Ablauf stets in Schorlings Händen. Nur das Läuten der großen Glocke im Turm der Kirche ist computergesteuert und fällt somit nicht in seinen Aufgabenbereich. Dennoch beginnt der Arbeitstag im Hause Schorling früh. Bereits um 6 Uhr morgens muss der Küster die Kirche für die Gläubigen aufschließen.

Als Hausmeister ist der Fachmann zusätzlich für die Gemeinderäume zuständig. "Hier tausche ich Glühbirnen aus, stelle die Mülltonnen raus, mähe den Rasen auf den Grundstücken und den Gärten der Die Profis

Gemeinde, schneide die Hecken und betreue den Kindergarten der Ringkirchengemeinde sowie die Diakonie im Kaiser-Friedrich-Ring mit", sagt Schorling und holt einmal kräftig Luft. Dass sich die anfallenden Arbeiten während der Vorweihnachtszeit indes vervielfachen, weiß der Routinier mit einem Lächeln zu berichten. "Fast jeden Tag finden dann Chor-Veranstaltungen, Proben oder andere Events wie zum Beispiel Hochzeiten statt", erläutert der 41-jährige. Diese müsse der Küster stets vorplanen. "Wir haben vier Pfarrer und einen Kantor, die ihre Veranstaltungen unterschiedlich ansetzen. Also muss ich jedes Mal schauen, ob die Kirche an dem gewünschten Termin frei ist. Manchmal komme ich mir dabei wie ein Eventmanager vor", lacht der Profi herzlich.

"In der Woche vor Heilig Abend baue ich dann die aus insgesamt acht Teilen bestehende und sechzehn Quadratmeter große Bühne auf, damit die Chöre und das Krippenspiel unter den richtigen Bedingungen proben können", erzählt der gelernte Handwerker. Am Heiligen Abend wartet darüber hinaus ein "24-Stunden-Tag" auf den erprobten Gemeinde-Mitarbeiter.

Um 16 Uhr beginnen die Weihnachts-Gottesdienste traditionell mit dem Kindergottesdienst samt Krippenspiel. Nach dessen Ende muss Wolfgang Schorling schnell handeln und die Bühne zur Vorbereitung der Christmette um 18 Uhr wieder abbauen. Um 23 Uhr findet der Abendgottesdienst der Ringkirchengemeinde statt, für dessen reibungslosen Ablauf der Küster ebenfalls verantwortlich zeichnet.

Bei Schnee früh raus

"Der Tag beginnt dann natürlich wie immer früh", stellt der Profi fest, "außer es hat geschneit. Dann muss ich bereits um vier Uhr raus und den Schnee rund um die Kirche wegräumen", hofft der tüchtige Mann für alle Fälle auf nicht ganz so weiße Weihnachten. Dass mit dem dritten Hochfest der Kirche die Arbeit von Wolfgang Schorling jedoch nur ihren Höhepunkt findet, liegt angesichts der vier Adventwochen auf der Hand.

So muss der patente Kirchenmitarbeiter kurz vor Heilig Abend unter Zuhilfenahme einer Leiter zunächst den rund fünf Meter hohen Weihnachtsbaum dekorieren. "Aufgestellt wird der Baum allerdings von der liefernden Firma", seufzt Schorling erleichtert auf. Dennoch benötige er circa fünf Stunden für das gesamte Schmücken. Wackelige Beine bekomme er deshalb aber noch lange nicht. "Dafür sind wir ja in einer Kirche. Wenn ich auf der hohen Leiter stehe, habe ich vollstes Gottvertrauen", versichert er. Ist der Baum erst einmal festlich verziert, wollen die Adventskränze aufgestellt und die kleine Krippe aufgebaut werden. Kurz danach geht es für den Fachmann wieder hoch auf die Leiter, wenn in dem Kindergarten Zweige, Sterne und Lichterketten aufzuhängen sind. "Nur den Nikolaus spiele ich nicht", beantwortet Schorling rasch die nächste Frage.

Helfer dekorieren

Auf die Hilfe der ehrenamtlichen Mitarbeiter kann sich der seit sieben Jahren in Wiesbaden tätige Profi hingegen bei der Dekoration der Gemeinderäume verlassen. Lediglich das Einkaufen und Vorbereiten der Sachen falle hier in seinen Aufgabenbereich. Dafür wartet schon die nächste Baustelle - im wahrsten Sinne des Wortes - auf den ebenfalls als Hausmeister tätigen Schorling. Die Handwerker auf den beiden Baugerüsten, die derzeit die Türme der Ringkirche säumen, benötigen seine Unterstützung. "Auch hier bin ich der erste Ansprechpartner", sagt der stets gut gelaunte Fachmann. Nur mit dem für das Baugerüst angedachten Adventskalender habe Schorling nichts zu tun. "Das liegt alleine in den Händen des Kirchenvorstands", sagt er.

Abschließend bleibt dann nur noch die Frage zu klären, wie der vielbeschäftigte Familienvater selbst den Heiligen Abend begeht. "Da schaue ich ständig auf die Uhr, schließlich habe ich nur eine Stunde Zeit. Trotzdem freue ich mich auf die Weihnachtszeit und manchmal bekomme ich von Gemeindemitgliedern auch etwas geschenkt", freut er sich ehrlich. "Die meisten wissen auch, dass ich keinen Alkohol trinke und schenken Schokolade, über die sich meine beiden Söhne freuen", schmunzelt der stolze Vater.

Nach dem Heiligen Abend und den Weihnachtsfeiertagen entspannt sich die Lage für Wolfgang Schorling zusehends. Als nächster fester Termin steht dann "nur" der Silvester-Abendgottesdienst auf seinem Plan, bevor es im Frühjahr mit dem Osterfest weitergeht. "Das ist vielleicht der einzige Nachteil in meinem Beruf. Wenn die Kinder Ferien haben, können wir nicht in den Urlaub fahren, da ich voll im Einsatz bin. So bleiben nur die Sommerferien", konstatiert der engagierte Helfer. "Aber der Job entschädigt dafür auf jeden Fall." - "Es ist ein großer Vorteil, dass ich direkt an meinem Arbeitsplatz wohne. So kann ich mich gut um meine Kinder kümmern, sie zur Schule oder in den Kindergarten bringen und wieder abholen. Welcher Vater in einem normalen Acht-Stunden-Job kann das schon von sich behaupten?" fragt Schorling selbstbewusst. Seine Söhne wüssten die ständige Anwesenheit ihres Vaters jedenfalls sehr zu schätzen.

Wiesbadener Tagblatt



19. November 2008:
Buß- und Bettag WIESBADEN

Buß- und Bettag

WIESBADEN Am heutigen Mittwoch, 19. November, dem Buß- und Bettag, feiern evangelische Christen in der Ringkirche um 10 Uhr Gottesdienst. Die Predigt hält Pfarrer Ralf-Andreas Gmelin. "Die Welt ins Gebet nehmen. Von der Not und dem Segen des Betens" lautet das Thema eines ökumenischen Gottesdienstes in der Bergkirche am Mittwoch, 19. November, 19 Uhr.

Wiesbadener Kurier



18. November 2008:
Ökumenischer Bußtag in der Bergkirche

red. "Die Welt ins Gebet nehmen. Von der Not und dem Segen des Betens", so lautet das Thema des ökumenischen Gottesdienstes, den die christlichen Gemeinden des Bergkirchenviertels miteinander feiern werden. …

Um zehn in der Ringkirche
In der Ringkirche feiern die evangelischen Christen um 10 Uhr einen Gottesdienst. In der Predigt geht es Pfarrer Ralf-Andreas Gmelin darum, dass der Blick auf die Finanzkrise nicht dazu führen darf, dass Selbstgerechtigkeit sich breit macht, die an den "anderen" herumkritisiert, sondern dass Christen mit ihrem Gebet bei ihrem eigenen Anteil beginnen müssen, den sie am Heute und an dessen Zuständen haben.

Wiesbadener Tagblatt



18. November 2008:
Ein Hauch von Persien unweit der Ringkirche
Vom Basmatireis bis zum Rätselheft: Seit 2004 bietet der Supermarkt "Safran" iranische Spezialitäten



Trockenfrüchte und persische Knabbereien gibt es bei Kobra Eskandar Ghormi und Mitarbeiterin Maryam Ghoshoni. Heymann

 

WIESBADEN Mehr als 86 000 Wiesbadener haben ihre Wurzeln in anderen Ländern. Viele Supermärkte haben sich auf deren kulinarische Vorlieben eingestellt und bereichern das Angebot in der Stadt. …

Von Falk Sinß

Ein Perserteppich als Fußabtreter begrüßt jeden, der den kleinen, beschaulichen Laden betritt. Aus den Lautsprecherboxen dringt persische Popmusik - eine Mischung aus vertrauten und exotischen Klängen - in die Ohren der Gäste.

Schwere Säcke voller Reis, beschriftet mit arabischen Schriftzeichen, stapeln sich auf dem Boden. Konservendosen und kleine Fläschchen mit bunten Etiketten füllen die Regale. In einer gläsernen Theke türmen sich exotische Süßspeisen wie Datteln und Schirin, kleines Teiggebäck, das an Nussschnecken erinnert. Hinter der Theke steht Kobra Eskandar Ghormi, die Inhaberin des "Supermarkt Safran, der schräg gegenüber der Ringkirche am Kaiser-Friedrich-Ring seine Heimat hat. … "Bei uns gibt es verschiedene Sorten Basmatireis, Couscous, persische Früchte, Fladenbrote, iranische Suppen, Gewürze, wie zum Beispiel Safran, persische Salami, persischen Wodka, Öle und iranische Zeitungen", zählt sie ihr Sortiment auf. …

Die Geschäftsinhaberin schätzt, dass rund 4000 Iraner und Menschen mit iranischer Abstammung in Wiesbaden leben. Für diese sei ihr Lebensmittelgeschäft das einzige in dieser Form in Wiesbaden. Ihre Kunden seien fast ausschließlich Iraner, erklärt Ghormi. "Ich glaube schon, dass meine Kunden auch hierher kommen, um ein wenig iranisches Heimatgefühl mit nach Hause zu nehmen." …

Vor allem in zwei Dingen unterscheidet sich laut Ghormi die iranische von der deutschen Küche: Die iranische Küche sei raffinierter, achte mehr auf Geschmacksharmonie und sei dadurch schwerer zu zubereiten. Und Iraner würden nie nur für sich selbst kochen, sondern immer für mindestens vier oder fünf Personen und mit mehreren Gängen, erläutert Ghormi. "Wenn ich koche, dann immer für die gesamte Familie."

Wiesbadener Kurier



15. November 2008:
Erinnerung an Helmut Gollwitzer

red. An den Berliner Theologen Helmut Gollwitzer (1908-1993) erinnerte das Evangelische Dekanat Wiesbaden jetzt in der Reformatorenhalle der Ringkirche. Der Pfarrer und Hochschullehrer würde am 29. Dezember 100 Jahre alt. Dem eindrucksvollen Professor aus der Studentenbewegung der 68er Jahre waren sie sehr nahe - das Theologen-Ehepaar Gabriele und Professor Dr. Peter Scherle.

So hat die heutige Frankfurter Pröpstin für Rhein-Main, Gabriele Scherle, sogar ein halbes Jahr mit in seinem Haus in Berlin-Dahlem gewohnt.

Sie schilderte, dass "Gollwitzer - der fromme Mensch" - wie das Dekanat die Veranstaltung betitelt hatte - durchaus so gewesen sei. "Beten, Bibel und Karl Barth lesen, das zeichnete ihn aus", erinnerte sich die Pröpstin.

Ein Höhepunkt der Beziehung zum Berliner Theologen war die Trauung der Scherles in der Bergkirche 1989. Gollwitzer hielt die Ansprache.

Wiesbadener Tagblatt



8. November 2008:
Am Mittwoch: Gollwitzer - der fromme Mensch

rr. An den Berliner Theologen Helmut Gollwitzer (1908-1993) erinnert das Evangelische Dekanat Wiesbaden mit einem Gespräch des Theologen-Ehepaares Gabriele und Peter Scherle "Gollwitzer - der fromme Mensch". Das Gespräch unter der Moderation von Dekan Hans-Martin Heinemann findet am kommenden Mittwoch, 12. November, um 20 Uhr in der Reformatorenhalle der Wiesbadener Ringkirche statt.

Der Pfarrer und Hochschullehrer würde am 29. Dezember 100 Jahre alt. Die Frankfurter Pröpstin für Rhein Main, Gabriele Scherle und Professor Dr. Peter Scherle haben bei Gollwitzer studiert und wurden in der Wiesbadener Bergkirche von ihm getraut.

Helmut Gollwitzer hat mit seinen theologischen Positionen die 68er  Theologen-Generation geprägt, war im Dritten Reich Mitglied der "Bekennenden Kirche" und demonstrierte gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik. Mit dem Studentenführer Rudi Dutschke war er befreundet. Gollwitzer setzte sich für die Verwirklichung einer freien sozialistischen Gesellschaft ein. Die Journalistin Ulrike Meinhoff, die als Terroristin inhaftiert, Selbstmord verübte, wurde von Gollwitzer beerdigt. Auch für den früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann hielt der evangelische Theologe die Grabrede.

Das Wiesbadener Erinnern an den Jubilar wird mit zwei Veranstaltungen 2009 fortgesetzt: Am 21. Januar, 15 Uhr, spricht der Gollwitzer-Biograph Professor Dr. Gottfried Orth (TU Braunschweig): "Gollwitzer, der theologische Hochschullehrer" (Bonhoeffer-Haus, Fritz-Kalle-Straße 38-40).  Am 25. März, 20 Uhr, debattiert der einstige katholische Stadtdekan und hessische SPD-Landtagsabgeordnete Ernst-Ewald Roth mit dem Vorsitzenden der Wiesbadener Martin-Niemöller-Stiftung, Professor Dr. Martin Stöhr, unter dem Titel "Gollwitzer - der politische Christ. Christentum, Kirche und Politik in der Bundesrepublik" wieder in der Reformatorenhalle der Ringkirche. Die Moderation hat auch dann Dekan Hans-Martin Heinemann.

Wiesbadener Tagblatt


3. November 2008:
Kinder und Alte vom Rand in die Mitte
Evangelische Familienbildungsstätte feiert als eine Gemeinde auf Zeit ihr 50-jähriges Bestehen






Dem Festgottesdienst folgte ein Sektempfang. Bei dieser Gelegenheit überreichten Stadtverordnetenvorsteherin Angelika Thiels (links) und Sozialdezernent Arno Goßmann der Leiterin der Evangelischen Familien-Bildungsstätte, Betina Seibold, die bronzene Stadtplakette für das 50-jährige Bestehen der Institution. Foto: RMB/Heiko Kubenka

Mit einem festlichen Familiengottesdienst und anschließendem Sektempfang feierte die Evangelische Familienbildungsstätte Wiesbaden am Sonntagvormittag in der Ringkirche ihr 50-jähriges Bestehen. 

Von Marianne Kreikenbom

Die Predigt des Festgottesdienstes hielt Sylvia Puchert, Geschäftsführende Pfarrerin der Evangelischen Frauen in Hessen und Nassau, des Trägervereins der Familienbildungsstätte. Für Betina Seibold, Leiterin der Wiesbadener Bildungseinrichtung, und ihre Mitarbeiterinnen gab es 2008 noch zwei andere Jubiläen: zehn Jahre Tagesmüttervermittlung in Kooperation mit dem Amt für Soziale Arbeit und fünf Jahre Elternkurse "Starke Eltern - Starke Kinder" in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kinderschutzbund Wiesbaden.

Als Evangelische Mütterschule war die heutige Familienbildungsstätte (FBS) 1958 eröffnet worden. Hauswirtschaft, Familienpflege und Kindererziehung standen damals im Mittelpunkt der Bildungsarbeit. Bereits 1961 haben hier auch gut besuchte Väterabende in Sachen Säuglingspflege stattgefunden, erinnerte Sylvia Puchert an die Vorbildfunktion der Wiesbadener Einrichtung. Es sei nicht das letzte Mal gewesen, dass sie eine Vorreiterrolle übernommen habe. Auch die ersten Eltern-Kind-Gruppen entstanden hier. Heute finden sich im Jahresprogramm insgesamt rund 140 Kurse und Veranstaltungen für unterschiedliche Altersgruppen, darunter auch Koch- und Backworkshops als Ferienangebot für Kinder und Jugendliche. Gegenwärtig verfügt die FBS mit Sitz in der Emser Straße 3 über insgesamt etwa 120 Honorarkräfte, die als Kursleiter tätig sind. Evangelische Familienbildungsstätten seien "ein Stück Gemeinde auf Zeit", erklärte Puchert. Als Familienbild der Zukunft malte sie ein friedliches und gleichberechtigtes Miteinander nicht nur der Geschlechter, sondern auch der Generationen. "Kinder und Alte gehören vom Rand direkt in die Mitte unserer Gesellschaft."

Durch den Zusammenschluss von Evangelischer Frauenhilfe und Evangelischer Frauenarbeit war 2005 der Verband Evangelischer Frauen in Hessen und Nassau mit Geschäftsstelle entstanden. Er vernetzt mehr als 500 Frauengruppen und Kirchengemeinden, 17 Frauenverbände und rund 300 Einzelmitglieder. Schwerpunkte seiner Tätigkeit sind die regionale und überregionale Frauenarbeit in der evangelischen Landeskirche und die Familienbildung.

Eine Wanderausstellung zur Geschichte der Evangelischen Frauen ist noch bis zum 15. November in den Räumen der Wiesbadener Ringkirche zu sehen.

Wiesbadener Tagblatt



31. Oktober 2008:
In der Gegenwart leben und nicht im Museum
Dekanatssynode diskutiert über Neufassung der Kirchenordnung/Bis 31. Dezember können Einwendungen eingereicht werden

Von Stefan Weiller

WIESBADEN "Bei allem Respekt gegenüber unseren Vorfahren: Mittlerweile sind wir als Kirche im 21. Jahrhundert angekommen und müssen im Heute leben, nicht im Museum", sagte der evangelische Dekan Hans-Martin Heinemann bei der Wiesbadener Dekanatssynode. Die Synode, die im Bonhoefferhaus stattfand, ist ein regelmäßig tagendes Parlament und Instrument der kirchlichen Selbstverwaltung.

Im Gegensatz zur hierarchisch organisierten katholischen Schwesterkirche, in der im Zweifelsfall der Bischof das letzte Wort hat, verfolgt die evangelische Kirche einen demokratischen Weg zur Entscheidungsfindung, der sich von "unten nach oben" vollzieht. So wird beispielsweise eine evangelische Gemeinde von gewählten Vertretern im Kirchenvorstand geleitet und nicht vom Pfarrer. Durch alle Prozesse der Entscheidungsfindung zieht sich dieses Prinzip der dreistufig aufgebauten Kirche: von der Gemeinde über die Dekanate bis zur Gesamtkirche.

Macht sie dieses Verfahren schwerfälliger oder demokratischer? Vielleicht ist es ein bisschen von beidem - auch deshalb wird in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) über die Neufassung der Kirchenordnung diskutiert. Diese Sammlung kann als kirchliches Grundgesetz angesehen werden.

Die Kirchenordnung liefert die Gestaltungsgrundlage der Kirche und ihrer Gemeinden. Bisher konnte beispielsweise in allen Gemeinden bestimmt werden, ob Segnungen homosexueller Paare in einer Gemeinde gestattet sein sollten. Skeptiker fürchten, dass derartige Beschlüsse nach der neuen Ordnung nur noch von der oberen Leitungsebene der Kirche gefasst werden könnten. Solche Annahmen entbehrten jeder Grundlage: "Keiner will die Gemeinden schwächen", sagte Dekan Heinemann. Droht die EKHN mit den Änderungen katholischer zu werden? Zumindest dass aus der bisherigen - von manchem als spröde und allzu weltlich empfundenen - Bezeichnung "Kirchenpräsident" die Amtsbezeichnung "Bischof" werden soll, sehen Kritiker als Angriff auf EKHN-Traditionen. Noch bis zum 31. Dezember können Verbesserungsvorschläge zum Entwurf der Kirchenordnung eingereicht werden. Einzusehen ist der Text im Internet unter www.ekhn.de.

In einem weiteren Tagesordnungspunkt wurde die Beauftragung eines Arbeitskreises zur Verbesserung der religionspädagogischen Angebote besonders für Berufsschulen beschlossen. Wilfried Jungbluth vom Religionspädagogischen Amt in Wiesbaden sieht Lücken bei der Versorgung der Schulen mit Religionsunterricht. Es mangele an Lehrkräften und mancherorts auch an "überzeugenden inhaltlichen Konzepten". Ein weiteres Phänomen: Ganztagsschulen und die verkürzte Gymnasialzeit gingen nicht selten auf Kosten der religionspädagogischen Arbeit: "Schüler haben immer weniger Zeit." Um Kirchen an den Schulen mehr Präsenz zu verleihen, wird überlegt, nachmittäglich Angebote zu etablieren. Mit einer evangelischen Jugendkirche soll die Attraktivität gesteigert werden.

Wie die erweiterte Jugendarbeit finanziell zu realisieren ist, muss noch geprüft werden. Der Dekanatshaushalt war im Haushaltsjahr 2007 ausgeglichen. Die Ausgaben und Einnahmen des Dekanats weisen eine Summe von drei Millionen Euro aus. Im Dekanat sollen auch in Zukunft passende Angebote für alle Generationen umgesetzt werden. Für die Zielgruppe der Erwachsenen wird in einer dreiteiligen Reihe das Leben und Werk des Theologen Helmut Gollwitzer - er wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden - vorgestellt. Gollwitzer hat die Grabrede für die Terroristin Ulrike Meinhoff gehalten.

Der erste Gollwitzer-Abend findet am 12. November in der Ringkirche statt.

Wiesbadener Kurier



27. Oktober 2008:
Der Klang wird weicher und wärmer
Gemeindeobere steigen der Ringkirche aufs Dach/Jetzt werden die Türme saniert



Baustellenbesichtigung ganz oben auf der Ringkirche. Architekt Reinhold Hytrek erläutert den "Besuchern" die Sanierung der beiden Türme.

Foto: wita/Paul Müller

 

Hoch hinaus und dem Himmel knapp vierzig Meter entgegen ging es am Samstagnachmittag auf dem Gerüst der Ringkirche. Unter fachkundiger Führung des Architekten Reinhold Hytrek von der Wiesbadener Planergruppe HTWW stiegen Mitglieder des Kirchenvorstandes und der Gesamtgemeinde dem Gotteshaus aufs Dach. 

Von Marianne Kreikenbom

Vorausgesetzt man war schwindelfrei und bekam beim Aufstieg keine weichen Knie, hatte man nach neunzehn Leitergängen auf der obersten Gerüstplattform einen einmalig weiten Ausblick auf die Stadt und ihre Umgebung. Eingeladen von Kirchenvorsteherin Elke Flentge, informierten sich die Teilnehmer über den Fortgang der 2003 begonnenen und seither von Hytrek koordinierten umfangreichen Sanierungsmaßnahmen.

Nach Abschluss der Arbeiten am Kirchenschiff findet gegenwärtig in zwei Etappen die Sanierung der Doppeltürme statt. Eine anspruchsvolle Aufgabe mit zahlreichen Überraschungen, wie Hytrek vor Ort an vielen Beispielen erläuterte. "Hier gibt es Probleme, die wir vorher noch nicht hatten." So sei zum Beispiel die Decke im Südturm korrodiert. Sie besteht aus einer raffinierten Stahlträgerkonstruktion in Sternform mit acht Ecken und muss erneuert und ergänzt werden. Im Nordturm dagegen ist die Decke gut erhalten.

Die Entwässerung der Turmhelme habe nicht mehr funktioniert, weil sämtliche dafür vorgesehenen Einlauftrichter völlig verstopft waren. Eimerweise Erde sei aus den Trichtern geholt worden, auch Knochen von Beutetieren der Turmfalken, die in luftiger Höhe ihren Fang ausweiden und den Rest zurücklassen. Eine kleine technische Veränderung wird künftig den Wasserablauf, der durch ein Fallrohr nach innen geht, gewährleisten.

Die dreiteiligen und bislang offenen Bogenfenster über dem Uhrengiebel sowie die offenen Rosetten über den Fenstern erhalten eine Regenschutzverglasung, um künftig das Eindringen von Nässe zu verhindern. Im wahrsten Sinne des Wortes schwerwiegend, aber schwierig ist die Arbeit in den beiden spitz zulaufenden Turmhelmen. Weithin sichtbar befinden sich auf diesen Helmen ein Kreuz und ein Hahn als sogenannte Turmzier. Kreuz und Hahn gruppieren sich um eine Stange, die ins Innere des Helms führt und dort, mit einem Gewicht versehen, beweglich gelagert ist. Das Gewicht besteht aus einem tonnenschwer mit Steinen gefüllten Eisenkorb, an dem seit Einweihung der Kirche 1894 mächtig der Zahn der Zeit genagt hat. Der Korb ist verrostet. "Damit er nicht zur fallenden Bombe wird, bauen wir zwei Zentimeter unter dem Korb einen stabilen Fallrost ein, der hält die Konstruktion."

Außer den genannten Arbeiten und Standards wie Reinigung der Fugen, Steinersatz und Steinverklebung sind die Risse im Sandstein der Türme ein Schwerpunkt der jetzigen Sanierung. Während die Innenschale der Türme aus Ziegeln gemauert ist, besteht die Außenschale aus einer Sandsteinverblendung. Die Belastbarkeit der Türme werde im kritischen Bereich überschritten. Durch Spannanker soll deshalb die Substanz des Doppelturms gesichert werden, eine statische Lösung, die Fachleute der Technischen Universität Darmstadt vorgeschlagen haben. Die nach 114 Jahren nunmehr erstmals eingebaute Schall-Luke aus Holz soll den Klang der drei Ringkirchenglocken weicher und wärmer machen. Eine Nachricht, die vor allem Anwohner freuen wird.

Wiesbadener Tagblatt



24. Oktober 2008:
Namensplanung ging nicht auf
Ringkirche sollte Reformationskirche heißen / Gotteshaus 114 Jahre alt


Der Blick auf die rückwärtige Architektur lässt die achteckige Grundform der Ringkirche erkennen. Bewusst hebt sich ihre Bauweise vom katholischen Standard des Mittelalters ab, der auch nach der Reformation weitgehend unverändert geblieben war.

Archivfoto:RMB/Friedrich Windolf

 

Wenn am Sonntag die Mitglieder der Ringkirchengemeinde ihren feinen "Staat" anlegen, dann hat dies einen guten Grund: Am Sonntag vor dem Reformationstag gedenken sie der Einweihung ihres imposanten Gotteshauses vor 114 Jahren - am 31. Oktober 1894. Dies wird mit einem Festgottesdienst um 10 Uhr gefeiert.

Von Jörg Hofmann

In den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts waren Planungen und Umsetzung der Stadterweiterung nach Süden und Westen hin weitgehend abgeschlossen. Mit der Anlage des Ersten Ringes um die Mitte der achtziger Jahre hatte man eine Verkehrsachse geschaffen, an deren Westseite nur noch die Errichtung des Dichter-, des Rheingau- und des Feldherrenviertels ihrer Umsetzung harrten. Die Rheinstraße, die großzügige Promenade, die bereits ab 1828 als enorm breite Ost-West-Achse angelegt worden war und die zunächst quasi im Nichts endete, hatte durch die Verbindung mit der Ringstraße inzwischen eine wichtige Verkehrsfunktion erhalten. An ihrem westlichen Ende nun sollte als sichtbarer Abschluss ein drittes evangelisches Gotteshaus errichtet werden: Die Ringkirche, mit gelbem pfälzischen Sandstein gebaut auf einer Verkehrsinsel, als krönender Abschluss der breiten Sichtachse. 

65 Meter hohe Türme
Unter dem Aspekt dieser Funktion gesehen, hatte und hat das neue Gotteshaus, mit dessen Bau 1892 begonnen wurde, auch eine Schaufenster- oder besser: Fassadenfunktion. An ihrer Ostseite wird sie dominiert durch die gewaltigen, 65 Meter hohen Zwillingstürme und nimmt so als "point de vue" ihre städtebauliche Aufgabe wahr. Aber der eigentliche Charakter des Sakralbaus erschließt sich bis heute erst, wenn man sich ihm von der Rückseite nähert. Das erklärt auch die Tatsache, dass dort der Haupteingang in das Gotteshaus zu finden ist - nicht etwa auf der Ostseite des Gebäudes. Dort führt das Portal lediglich in einen unter den Türmen gelegenen Reformations-Gedenkraum - ursprünglich sollte das Gotteshaus nämlich den Namen "Reformationskirche" erhalten, was sich aber nicht durchsetzte.

Erbauer der Ringkirche war der renommierte Architekt Johannes Otzen (1839 - 1911) aus Berlin. Der hatte am Ende seines Lebens insgesamt 22 Kirchen gebaut - darunter neben der Ringkirche auch die bereits 1879 fertiggestellte Bergkirche, die zweite evangelische Kirche Wiesbadens nach der Marktkirche. Bereits mit dem Entwurf des Gotteshauses in der Lehrstraße hatte Otzen den Anstoß gegeben für das, was man später in puncto evangelischer Sakralbauten das "Wiesbadener Programm" nannte.

Zeichen des Umdenkens
In einem Vorbericht zur Einweihung der Ringkirche brachte dies die Morgenausgabe des "Wiesbadener Tagblatts" vom 31. Oktober 1894 auf den Punkt. Beklagt wird darin, dass beinahe im gesamten 19. Jahrhundert der protestantische Kirchenbau aufgrund "romantischer Liebhabereien die Grundlagen der eigenartigen kirchlichen Bedürfnisse des Protestantismus" aufgegeben habe. Die Ringkirche nähre in ihrer Ausführung die Hoffnung, dass von Wiesbaden aus ein Zeichen für ein Umdenken gesetzt werden könne, für "eine Rückkehr in die alten, gesunden Bahnen" als Kontrapunkt zur "blinden Nachahmung des mittelalterlichen katholischen Kirchenideals."

Jenseits des Standards
Und in der Tat: Was architektonisch zumindest äußerlich mit der Bergkirche begonnen und auch im Inneren dann konsequent mit der mächtigen Ringkirche fortgesetzt wurde, steht im deutlichen Gegensatz zu dem, was beide christlichen Konfessionen bisher gemeinsam als Standard angesehen hatten - und auch noch bei der Marktkirche entsprechend realisiert worden war: Langschiffige Bauten, die nach Osten hin mit einem Chor abschlossen, wo sich der Altarraum befindet, auf den sich alle Blicke richten. Damit war in katholischen Kirchen von je her betont worden, dass das Sakrament der Eucharistie im Mittelpunkt des liturgischen Lebens steht, die Verkündigung des Wortes eher zweitrangig definiert war.

Das steht freilich im Gegensatz zur überwiegenden protestantischen Lehrmeinung. Fußend auf Luthers Postulat "sola scriptura!" (alleine die Heilige Schrift!) wird hier die Verkündigung des Wortes Gottes als zentraler Punkt des Gottesdienstes angesehen. Aber in baulicher Hinsicht eine "Rückkehr" in alte Bahnen zu fordern, ist freilich vorgeschoben. Denn von einer Rückkehr konnte eigentlich keine Rede sein, eher von einer Neubesinnung. Schließlich hatten sich evangelische Christen über Jahrhunderte ganz überwiegend in ehemals katholischen Kirchen zusammengefunden, um ihre Gottesdienste abzuhalten. Neubauten evangelischer Kirchen waren eher die große Ausnahme gewesen.

Das war in Wiesbaden nicht anders. Hier war nach der Einführung der Reformation in der Grafschaft Nassau die vormals katholische Mauritiuskirche Versammlungsort der Gläubigen gewesen - bis diese 1850 einem verheerenden Brand zum Opfer fiel. Offensichtlich war das Beispiel der Predigerkirchen - so, wie sie gut 150 Jahre zuvor in Naurod umgesetzt worden war - Mitte des 19. Jahrhunderts noch nicht wieder so in das Bewusstsein der Architekten gedrungen, dass man die 1862 eingeweihte Marktkirche entsprechend geplant hätte - diese wurde in klassischer, sprich: mittelalterlich-katholischer Manier gebaut.

Johannes Otzen war nun ein Vorreiter des neuen protestantischen Kirchenbaus. Vereinheitlicht sollten nach seiner Vorstellung künftig Altar, Orgel und Kanzel in den Mittelpunkt des Inneren des Baukörpers rücken. Denn nach protestantischem Verständnis stehen nun einmal Lesung, Predigt, Gebet und gesungenes Gotteslob im Mittelpunkt der Hintergrund

Liturgie, nicht das "Messopfer" im katholischen Sinn. Einen Mitstreiter fand Otzen im Bergkirchenpfarrer Emil Veesenmeyer, mit dem er gemeinsam nach Planungsbeginn für die Ringkirche 1889 das "Wiesbadener Programm" entwickelte und 1891 erstmals veröffentlichte.

Protestantischer Dreiklang
Ein Blick in den Innenraum der als Achteck konzipierten Ringkirche zeigt, wie dieses "Wiesbadener Programm" mit Leben gefüllt wurde. In seinem in vier sogenannte "Konchen" und einen zentralen Raum aufgeteilten Inneren erhebt sich halbkreisförmig umgeben von den Sitzbänken der Altar auf einer erhöhten kleinen Insel. Hinter ihm auf halber Höhe unter der Hauptempore findet die Kanzel ihren Platz, dahinter in Achse erhebt sich die Orgel - jener "protestantische Dreiklang" von Segen, Wort und Gotteslob.

Eine starke bauliche Verwandtschaft der Ringkirche besteht übrigens mit der 1890 gebauten und im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am Berliner Kurfürstendamm. Auch sie wurde auf einer Verkehrsinsel errichtet und im spätromanischen Stil mit neugotischen Elementen ausgestaltet. Ihr Erbauer Franz-Heinrich Schwechten hatte ebenso wie Johann Otzen als Professor an der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg gewirkt.

Die Einweihungsfeierlichkeiten am Reformationstag 1894 begann mit einem kurzen Gottesdienst in der Marktkirche. Anschließend setzte sich ein großer Menschenzug über die Markt-, Bahnhof- und Rheinstraße in Richtung des neuen Gotteshauses in Bewegung - strikt geordnet. An der Spitze marschierten die Schulkinder über die durch die ganze Nacht anhaltende Regenfälle aufgeweichten Straßen, gefolgt von den Bauhandwerkern, den Kirchenvorständen, der Geistlichkeit, den Ehrengästen, den Mitgliedern der Gemeindevertretung und den übrigen Gemeindemitgliedern.

"Lust und Schmerzen"
Nach der Ankunft des Zuges hielt Johannes von Otzen eine Ansprache, rhetorisch gekrönt mit den Worten: "Damit gebe ich dem Kinde unserer Lust und Schmerzen unseren Segen auf dem Weg durch die Jahrhunderte". Den Kirchenschlüssel überreichte er dem Generalsuperintendenten Ernst, der ihn wiederum an Pfarrer Friedrich übergab. Unter Anrufung des dreieinigen Gottes öffnete dieser die Hauptpforte der neuen Kirche, die Gemeinde konnte einziehen und dann gemeinsam den festlichen Weihegottesdienst feiern. Zwischen den Predigten des Generalsuperintendenten und der Pfarrers stimmte die Gemeinde inbrünstig das alte Luther-Lied "Ein feste Burg ist unser Gott" an - beim Blick auf das mächtige Bauwerk, das seinerzeit ohne jede flankierende Bebauung monolithisch in der Landschaft thronte, gewiss eine gute Wahl.

Wiesbadener Tagblatt



24. Oktober 2008:
Lebendige Familienbildung


Betina Seibold ist Leiterin der Familienbildungsstätte Archivfoto:RMB/Kubenka

 

 

 

Die evangelische Familienbildungsstätte ist 50 Jahre alt. Die Angebote der Einrichtung der Diözese Limburg richten sich an Mütter, Väter und andere Erziehungsberechtigte. Ziel ist die Stärkung der Erziehungsfähigkeit und die Begleitung der Familien in ihren unterschiedlichen Lebensphasen. Wir sprachen im Vorfeld des Festgottesdienstes am 2. November in der Ringkirche mit der Leiterin der Familienbildungsstätte, Betina Seibold.
 
Die 1958 gegründete evangelische Familienbildungsstätte Wiesbaden ist längst eine Institution. Zunächst in der Burgstraße beheimatet, zog sie 1968 in die Emser Straße 3. Dort ist sie noch heute zu finden. Haben Sie das Jubiläum kräftig gefeiert?
Seibold: Bei dem Arbeitspensum unserer neun Hauptamtlichen war es gar nicht so leicht, einen Termin fürs Feiern zu finden. Wir haben es trotzdem geschafft und am 26. April in unseren Räumen mit Kursleiterinnen und Kursteilnehmern, Freunden und Partnern ein schönes Fest organisiert. Die gewissermaßen ganz offizielle Feier ist der festliche Familiengottesdienst am Sonntag, 2. November, um 10 Uhr in der Ringkirche. Im Anschluss gibt es einen Sektempfang und die Eröffnung der Ausstellung "100 Jahre ... auf gutem Kurs. Evangelische Frauen in Hessen und Nassau und ihre Geschichte".

Welche Verbindung besteht zwischen den evangelischen Frauen und der evangelischen Familienbildungsstätte?
Seibold: Die heutige Familienbildungsstätte wurde im Februar 1958 auf Initiative des damaligen Landesverbands der evangelischen Frauenhilfe als deren erste Mütterschule in Hessen und Nassau gegründet. Ziel war - wie der Name schon sagt - eine sogenannte Mütterunterweisung. Der Zeit entsprechend stand die Vermittlung hauswirtschaftlicher, familienpflegerischer und erzieherischer Kompetenzen im Vordergrund. Besondere Schwerpunkte waren Gymnastik vor und nach der Geburt sowie die Säuglingspflege, in die übrigens schon sehr früh auch die Väter mit einbezogen wurden. Aus dem Zusammenschluss von Frauenhilfe und Frauenarbeit entstand 2005 der Verband evangelischer Frauen in Hessen und Nassau.

Mit der Gesellschaft hat sich in den vergangenen 50 Jahren auch das Frauen- und Männerbild gewandelt. Die Vorstellungen von Partnerschaft und Familie, von Kindererziehung und Berufstätigkeit sind andere als damals. Wo sehen Sie die Aufgaben der Familienbildungsstätte heute?
Seibold: Wir sind durch die Jahrzehnte immer ein lebendiger und zeitnaher Ort der Bildung gewesen, auch wenn sich Bedürfnisse, Ansprüche und Themen geändert haben. Die Vielfalt unseres Kursangebotes zum Beispiel ist wesentlich größer als vor 50 Jahren, auch der Kreis unserer Adressaten. Wir bieten heute Bildung, Begegnung und Beratung für Menschen verschiedener Generationen, aller sozialen Milieus, Religionen und Nationalitäten in den unterschiedlichsten Formen familiären Zusammenlebens. Unsere Kurse reichen von der Babymassage bis zum Großelternservice.

Was ist bei all der Vielfalt das Evangelische an Ihrer Familienbildung?
Seibold: Das Evangelische an unserer Einrichtung ist das lebenslange Lernen im Vertrauen auf Gott, das Mut macht und Kraft gibt, Verantwortung für sich selbst und die Menschen, mit denen man zusammen lebt, zu übernehmen und das hilft, Zusammenleben aktiv gelingend zu gestalten. Die Anbindung der evangelischen Frauen an die evangelische Kirche ist für viele Menschen sowohl Garant für die Verbindung zu traditionellen Werten als auch für eine lebendige, an aktuellen Erkenntnissen orientierte Arbeit.

Was sagt die Statistik zur Resonanz auf Ihr Veranstaltungsangebot?
Seibold: Die Statistik verzeichnete im vergangenen Jahr insgesamt 6468 Teilnehmer an 542 Veranstaltungen der Familienbildung in Wiesbaden, Wallau und im Rheingau, davon waren 3968 Frauen, 267 Männer und 2233 Kinder. Einige bleiben uns über viele Jahre treu.

Das Interview führte Marianne Kreikenbom

Wiesbadener Tagblatt



13.10.2008:
Geburtstag hinter hohem Gerüst
Die Festpredigt hält Helga Trösken, erste Frau in einem kirchlichen Leitungsamt


Nur die Turmspitzen schauen derzeit noch heraus. Während des fünften Bauabschnitts der Sanierungsarbeiten ist die Ringkirche stumm und eingerüstet. Gefeiert wird trotzdem. Am 26. Oktober begeht die Gemeinde den 114. Geburtstag des als Reformationskirche gebauten Gotteshauses.

Foto: Wolfgang Eckhardt

Mit einem sonntäglichen Festgottesdienst feiert die Ringkirchengemeinde am 26. Oktober sowohl die Fortsetzung der Sanierungsmaßnahmen ihres Gotteshauses als auch ihr 114-jähriges Bestehen. Traditionsgemäß hat sie sich auch diesmal einen interessanten Gast für die Predigt zum Jubiläum eingeladen: die ehemalige Frankfurter Pröpstin Helga Trösken.

Von Marianne Kreikenbom

Die Wahl Helga Tröskens 1987 war ein Ereignis von ganz besonderer Bedeutung, gelangte doch damals mit ihr deutschlandweit erstmalig eine Frau in ein kirchliches Leitungsamt. Die 1942 geborene Frankfurterin studierte Theologie in ihrer Heimatstadt, in Berlin, Heidelberg und Mainz. Nach einem Vikariat in Dillenburg sowie Aufenthalten in Genf und London wurde sie 1970 Pfarrerin in Langen, wo die streitbare Theologin heute im sogenannten Ruhestand lebt. Ihre dritte Amtszeit als Pröpstin endete am 31. März 2007.

Für Unruhe sorgte die streitbare Theologin zuletzt im September, kurz vor der Wahl des neuen Kirchenpräsidenten der EKHN. Die evangelische Kirche hatte ihr den Verzicht auf einen HR-Fernsehauftritt nahe gelegt, bei dem es um die neue Kirchenordnung gehen sollte. Diskutiert wird unter anderem eine stärker autoritäre Struktur mit einem Landesbischof anstelle des Kirchenpräsidenten, der bislang gemeinsam mit den Pröpsten das "Leitende Geistliche Amt", eine Art kollektive Führung, bildete. Helga Trösken gilt als scharfe Kritikerin eines solchen Bischof-Modells, das freilich auch nicht mehrheitsfähig scheint. Alle Kandidaten bei der Kirchenpräsidenten-Wahl hatten sich wie der erfolgreiche Pfarrer Volker Jung auf der Synode für die Beibehaltung einer kollektiven geistlichen Führung der Evangelischen Kirche in Hessen-Nassau.

Freudig habe Helga Trösken ihren Gastauftritt beim Wiesbadener Festgottesdienst zugesagt, berichtet Ringkirchenpfarrer Ralf-Andreas Gmelin. Sie predige ausgesprochen gern, fügt er hinzu. Etwas Besseres könne man sich von einem Pfarrer oder einer Pfarrerin gar nicht wünschen. Auf ein Thema habe sie sich allerdings noch nicht festgelegt. Derzeit denke sie darüber nach, die Frauen der großen Reformatoren Zwingli, Melanchthon und Calvin in den Mittelpunkt ihrer Predigt zu rücken. Was weiß man über sie, und lässt sich überhaupt eine Spur von ihnen in der Literatur finden? Die "Lutherin" - Martin Luthers Ehefrau Katharina von Bora - sei uns da unvergleichlich präsenter, bemerkt Gmelin.

Das Thema würde gut zum Reformationstag am 31. Oktober passen. An diesem Tag vor 114 Jahren (1894) war die Ringkirche - in der Planung "Reformationskirche" genannt - eingeweiht worden. Nach einem Lutherwort sei Reformation ein immerwährender Prozess, erklärt Gmelin. Das betreffe auch das Thema Frauen und Kirche. "Auf der evangelischen Seite des Christentums hat sich da in den vergangenen Jahrzehnten eine Menge getan, was übrigens auch im Dialog mit dem Islam eine Rolle spielt."

Während eines Pastoralkollegs in Israel 2003, als dort die Bomben flogen, wie Gmelin sagt, lernte er eine unerschrockene Helga Trösken persönlich kennen und schätzen. Keiner anderen habe er damals diese Reise zugetraut. "Helga Trösken ist eine spannende Frau mit Ecken und Kanten, das macht sie interessant."

Zum 114. Geburtstag der Ringkirche präsentierten sich ihre beiden Glockentürme am Kaiser-Friedrich-Ring hinter hohem Gerüst und mittendrin im nunmehr fünften Bauabschnitt der 2003 begonnenen umfangreichen Sanierungsarbeiten. Zum Schutz der Handwerker und Restauratoren wurden am 25. September das vertraute Mittags- und Abendläuten der Glocken sowie der Stundenschlag vorübergehend eingestellt. Dem Geläut an Sonn- und Feiertagen dagegen steht vorläufig nichts im Weg. Dass der Geburtstag feierlich eingeläutet wird, gilt als sicher. Information und Kontakt: Telefon 44 02 81 (Gemeindebüro);  Internet: www.ringkirche.de

Wiesbadener Tagblatt



4. Oktober 2008:
Den Alltagsstress vergessen
Konzert mit "Farfarello im Licht" am 11. November in der Ringkirche 



Geiger Mani Neumann bei einem der Auftritte von  Farfarello.

Foto: privat

 

Wiesbaden ist für die Instrumentalmusiker von Farfarello kein Neuland. Unzählige Male haben sie schon in der Landeshauptstadt gespielt. Anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens treten sie am 11. November aber erstmals mit einer eigens zusammengestellter Lichtinstallation in der Ringkirche auf.
 
Von Daniel Duben

"Farfarello im Licht" nennt sich das neue Projekt der beiden Musiker Ulli Brand (Gitarre) und Mani Neumann (Geige und Flöte) sowie des Lichtkünstlers Jörg Rost. "Wir sind schon lange mit Jörg befreundet", erklärt Neumann. Im Nachhinein könne er sich gar nicht erklären, warum es nicht schon früher zu einer Gemeinschaftsproduktion mit ihm gekommen ist. "Wir passen einfach perfekt zusammen", findet er. Sanft illuminierte Kirchen seien der perfekte Konzertsaal für die Musik von Farfarello, unterstreicht Neumann. "Dort können wir die Zuschauer auf eine optische und akustische Reise mitnehmen, bei der sie einmal völlig den Alltagsstress vergessen", betont der Geiger.

In insgesamt 13 bundesdeutschen Kirchen wird die Band bei ihrer Jubiläumstour zu Gast sein. Lichtkünstler Jörg Rost hat sich für jedes einzelne Gotteshaus eine individuelle Illumination aus über 100 einzelnen Scheinwerfern ausgedacht. Ebenso einzigartig soll dann auch der akustische Part der Show werden. "Wir sind eine Instrumentalband und lieben die Improvisation", betont Gitarrist Ulli Brand. Ein festes vorgefertigtes Programm werde es also nicht geben. Stattdessen wollen die beiden Musiker spontan auf die Atmosphäre der jeweiligen Kirche sowie die Stimmung unter den Zuschauern eingehen. "Eigentlich sind eher leisere Töne angedacht", verrät Neumann: "Aber wenn wir den Eindruck haben, dem Auditorium ist es nach etwas Rockigerem, kann es auch in einer Kirche durchaus mal wilder zur Sache gehen", sagt er. Begleitet werden die zwei Gründungsmitglieder von Farfarello bei ihrer kommenden Tournee vom Percussionisten Nippy Noya.

Nicht alle Kirchenverwalter seien von der Idee eines Auftritts der Band in ihrem Haus angetan gewesen. "Manche waren aber auch total begeistert, dass endlich mal wieder Leben in die Bude kommt", erinnert sich Neumann. Er selbst freue sich darüber mit "Farfarello im Licht" Kirchen als kulturellen Veranstaltungsort wieder ein bisschen mehr ins Zentrum des öffentlichen Interesses zu rücken. "Das ist ein toller Platz zur gesellschaftlichen Zusammenkunft und kein öder Ort der ewiggestrigen Hostienverteiler", meint er.

Mit Platz für rund 800 Zuschauer ist die Ringkirche eine der geräumigeren Spielstätten der Kirchentour im November. Das größte Gotteshaus auf der Route liegt in Görlitz - Wiesbadens Partnerstadt - und heißt St.-Peter-Kirche. Dort beginnen Farfarello am Sonntag, 5. November, ihre 14-tägige Reise durch Deutschland, und es sind jetzt schon alle 1200 Eintrittskarten ausverkauft. "In Wiesbaden wären wir aber auch schon mit 600 Zuschauern sehr glücklich", gibt sich Brand Bescheiden.

"Farfarello im Licht" beginnt am Dienstag, 11. November, um 20 Uhr in der Ringkirche. Einlass ist ab 19 Uhr. Karten gibt es für 19 Euro im Vorverkauf bei Tickets für Rhein-Main in der Galeria Kaufhof, unter der Telefonnummer 01805-140014 oder über das Internet unter contact@farfarello.de

Wiesbadener Tagblatt



16. September 2008:
Spannende Details zu einem Nationaldenkmal

Nach zwei ausverkauften Auflagen ist jetzt die dritte, von Autor Ralf-Andreas Gmelin neu überarbeitete Ausgabe des Führers durch die Wiesbadener Ringkirche erhältlich. Gmelin ist Pfarrer an der Ringkirche und beschäftigt sich schon länger mit der Geschichte dieses Gotteshauses, das 2003 in den Rang eines deutschen Nationaldenkmals erhoben wurde.

Das Interview führte Marianne Kreikenbom

Was bedeutet im Fall Ihres Kirchenführers für das Nationaldenkmal Ringkirche "neu überarbeitet"?
Gmelin: Es bedeutet, dass sich die dritte Auflage sowohl äußerlich wie auch inhaltlich erheblich von ihren beiden Vorgängerinnen unterscheidet. Das neue Heft erscheint zweispaltig und ist damit lesefreundlicher und auch der durchgängige Vierfarbdruck stellt eine qualitative Verbesserung dar. Wesentlicher aber sind die inhaltlichen Korrekturen und Aktualisierungen, die sich aus der Kirchensanierung in den vergangenen Jahren ergeben haben und nun im Text berücksichtigt wurden.

Zu welchen neuen Erkenntnissen sind Sie gekommen?
Gmelin: Das Quellen- und Literaturstudium ergab sehr deutlich, wie eng Architektur und Theologie bei der Ringkirche miteinander verflochten sind. Die Ringkirche ist gewissermaßen Stein gewordene Theologie. Auch gibt es meiner Meinung nach Einflüsse der Freimaurerei. Johannes Otzen, der Berliner Architekt und Baumeister der Ringkirche war Freimaurer, ebenso sein theologischer Berater, der Wiesbadener Pfarrer Emil Veesemeyer, der 1891 in einem Aufsatz das "Wiesbadener Programm" für den evangelischen Kirchenbau formulierte.

Schreiben Sie darüber in Ihrem Kirchenführer?
Gmelin: Natürlich spielt es eine Rolle. Das Heft stellt nicht nur die Ringkirche und ihre Baugeschichte vor, sondern erklärt auch ihre besondere Bedeutung innerhalb der Kirchenbaugeschichte. Außerdem finden sich darin interessante Einzelheiten aus der Wiesbadener Heimatgeschichte sowie ein knappe Gemeindechronik und die Biografie des Architekten Johann Otzen. Außerdem begebe ich mich auf die Spurensuche nach einer frühen Gönnerin unserer Kirche, der "Generalin Grolmann", wie es in einer Chronik heißt.

Sanierung und Restaurierung der Ringkirche gehen derzeit in einem fünften Bauabschnitt weiter. Was wird gemacht?
Gmelin: Nach der erheblichen Reduzierung unserer finanziellen Mittel seitens der Landeskirche stand die Weiterführung der Baumaßnahmen zeitweilig auf der Kippe. Dankenswerterweise kam uns die Deutsche Stiftung Denkmalschutz zu Hilfe. Auch Bundesmittel sind geflossen. Der fünfte Bauabschnitt gilt den Zwillingstürmen auf der Ostseite. Sie weisen Risse auf und müssen mit Spannankern gesichert werden. In zwei weiteren Bauabschnitten soll die Sanierung der Turmfassade und der Außenanlage erfolgen.

Mit einer Spendensammlung von insgesamt 100 000 Euro will sich die Ringkirchengemeinde an den Sanierungskosten beteiligen. Wie viel Geld haben Sie inzwischen zusammen?
Gmelin: Unser Spendenthermometer stand im August auf rund 72 000 Euro. Auch der Erlös des neuen Kirchenführers kommt der Aktion "Rettet die Ringkirche" zugute. Er hat 36 Seiten, viele farbige Abbildungen und kostet unverändert zwei Euro. Erhältlich ist er bei uns im Gemeindebüro, An der Ringkirche 3 (Tel. 0611/440281), bei Buch Habel in der Kirchgasse, in der Buchhandlung "Lesen und Leben", Schwalbacher Straße 6 und in der Buchhandlung von Götz, Rheinstraße 101.

Wiesbadener Tagblatt



15.09.2008:
Mosaik der Einwegfeuerzeuge
Magdalena Moje macht aus Wohlstandsmüll Kunst / Schau in Ringkirche



So kann "Müll" aussehen: Magdalena Moje mit ihren Arbeiten in der Ringkirche.

Foto: RMB/Kubenka

 

 

Von Daniel Honsack

Vieles, was wir fortwerfen, kann für andere Menschen noch einen Wert besitzen. "Wohlstandsmüll" ist ein Teil unserer Zivilisation geworden. Menschen entledigen sich so mancher Sachen, die sie zwar nicht mehr benötigen, die aber durchaus noch brauchbar sind. Anderer Müll hingegen ist Ausdruck einer Einweg-Gesellschaft, die aus welchen Gründen auch immer lieber entsorgt, als erneut benutzt.

Magdalena Moje hat in frühester Kindheit gelernt, dass das, was andere von sich schmeißen, für sie geradezu von existentiellem Belang sein kann. Im Alter von fünf Jahren ist sie mit ihrer Mutter und den fünf Geschwistern aus Schlesien vertrieben worden, während der Vater noch "im Krieg" war. "Da mussten wir immer etwas sammeln", erinnert sie sich. Diese Erfahrung hat sich tief in ihrem Bewusstsein verankert.

Aus dem notwendigen Sammeln von einst ist längst eine Gewohnheit geworden. Nicht, dass sie permanent in fremder Leute Müll wühlen würde, aber sie hat ein besonderes Auge für Abfall. Sie kann sich richtig wundern, wenn jemand Kerzen in den Müll wirft, nur weil Weihnachten vorbei ist. Magdalena Moje geht dann hin, schmilzt sie ein und erschafft einen "Sonnenuntergang aus Wachs".

Diese und andere Arbeiten hat sie nun in der Ringkirche zu einer Ausstellung zusammen gestellt. Auf die Idee, ihre Kunstwerke zu zeigen, hat sie eine Freundin von der Arbeiterwohlfahrt gebracht. Und über einen persönlichen Kontakt geriet sie an die Ringkirchengemeinde.

Eine ihrer beliebtesten Collagen, die sie auch bereits mehrfach verkauft hat, ist ein auf der Leinwand angebrachtes Bierglas, das aus lauter unterschiedlichen Kronkorken besteht. Ein anderes Bild zeigt ein buntes Mosaik aus Einweg-Feuerzeugen, ein anderes besteht aus Glas-Scherben. Auch Plastiklöffel, Eis-Stiele aus Holz und Pommes-frites-Gabeln werden von Magdalena Moje kunstvoll zusammen geführt und zu fantasievollen Landschaften oder abstrakten Mustern zusammen gelegt. Krawatten und Würfel kombiniert sie zu einer Spielcasino-Collage, mit Schlüsseln erschafft sie eine Art Wald-Idyll.

Vor elf Jahren hat sie am eigenen Leib erlebt, wie es ist, auf der Halde zu landen. "Nachdem ich sieben Jahre für den Betrieb gearbeitet hatte, wurde ich entsorgt", berichtet sie heute immer noch gekränkt von ihrem als viel zu früh empfundenen Ruhestand. Doch seitdem widmet sie sich der Müllmetamorphose. Seit 1974 lebt sie übrigens in Wiesbaden, war zwischenzeitlich zwei Jahre lang im Iran, wo sie vor der Revolution geflohen ist. Zum zweiten Mal in ihrem Leben.

Bis zum 15. Oktober in der Ringkirche zu sehen. Sonntags nach dem Gottesdienst von 11.15 - 13 Uhr, Do. 17 - 19 Uhr und Sa. 15 - 17 Uhr.

Wiesbadener Tagblatt



11.09.2008
Evangelische Jugendkirche geplant

WIESBADEN (epd) Das Evangelische Dekanat Wiesbaden plant die Einrichtung einer Jugendkirche. Die Kirche wolle Jugendlichen auch nach der Konfirmation altersgemäße Angebote machen, so der Dekan Hans-Martin Heinemann. Die Dekanatssynode hatte vergangene Woche dem maßgeblich vom Stadtjugendpfarramt vorbereiteten Konzept zugestimmt. Bisher gibt es in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) eine Jugendkirche, Sankt Peter in Frankfurt.

Mit Bistrobetrieb

I
n Wiesbaden soll nach den Worten von Öffentlichkeitsreferent Roger Töpelmann keine spezielle Jugendkirche errichtet, sondern eine Gemeindekirche als Jugendkirche mitgenutzt werden. Beworben hätten sich bislang die Ringkirche und die Oranier-Gedächtnis-Kirche in Biebrich. Die Investitionskosten würden auf 500000 Euro geschätzt, die jährlichen Betriebskosten auf 160000 Euro. Angesprochen werden sollen Jugendliche und junge Leute im Alter zwischen 14 und 27 Jahren aus Wiesbaden, dem Rheingau und Untertaunus.

Die geplante Jugendkirche soll dem Konzept zufolge vor allem Gottesdienste, Nächte der Lichter, Stillezeiten und andere geistliche Angebote organisieren. Auch Seminare und ein Bistrobetrieb sind vorgesehen. Ein Zeitpunkt zum Start des Vorhabens ist bisher nicht festgelegt. Die katholische Kirche nutzt bereits seit zwei Jahren die Kirche Maria Hilf in der Kellerstraße auch als Jugendkirche. Bundesweit gibt es rund 120 Jugendkirchen.

Wiesbadener Kurier



8. September 2008:
In anderem Licht: die Marktkirche.

Fotos: RMB/Windolf
Hopping zu den Kreuzen per Bus
11 000 besuchen Abendprogramm/Lichtshow in der Marktkirche

WIESBADEN Zur "Nacht der Kirchen" hatten 15 Gotteshäuser in der Stadt geöffnet und luden zu einem abendlichen Programm von Autorenlesung mit Rafik Schami in der Ringkirche bis zur Turmbesteigung ein. 11 000 Besucher kamen.

Von Alexandra Ehrhardt

So viel Aufmerksamkeit wird dem Figurenensemble im Altarraum der Marktkirche selten zuteil: Effektvoll haben Lichttechniker den Innenraum des Gotteshauses anlässlich der siebten "Nacht der Kirchen" passend zu den Erklärungen von Pfarrer Holger Saal "angeknipst". So sah es zumindest aus, als die Lichtkegel in das dunkle Kirchenschiff fielen und somit die vier Evangelisten mit Jesus Christus in der Mitte zu echten Stargästen im Rahmen der Veranstaltung "Lichtraum" - passend zum diesjährigen Oberthema "Licht" werden ließen.

Auf den Sitzbänken aller Reihen und selbst im Eingangsbereich drängten sich die Zuschauer, um an der eindrucksvollen Kirchenführung, die eher einer Kirchenshow glich, teilzunehmen. Entsprechend der Grundidee von Professor Harald Hofmann von der TU Darmstadt wurde das Kirchenschiff punktuell und abgestimmt auf die Erläuterungen durch Pfarrer Saal, Pfarrvikarin Bianca Schamp und Kantor Hans Uwe Hielscher, illuminiert und somit zu einer kunsthistorischen Reise durch Alt-Vertrautes. "Die Verknüpfung von Wissen, Kunst und Lichttechnik ist neu und besonders. Die ganze Architektonik kommt durch die Lichteffekte völlig anders zur Geltung, man sieht Details, auf die man noch nie geachtet hat", schwärmt Andreas Frieser, gerade auf dem Weg zur St. Augustine´s of Canterbury-Kirche. Zuvor hatte der Wiesbadener bereits das Panorama auf dem Dachstuhl der Alt-Katholischen Friedenskirche genossen. Das mühelose "Jetten" zwischen den 15 teilnehmenden Kirchen machte der eigens für die "Nacht der Kirchen" angeheuerte Shuttlebus möglich.

Ähnlich wie Frieser geht es auch der elfköpfigen Truppe um Pfarrer Thomas Faas in der Dreifaltigkeitskirche. "Ich gehe jeden Sonntag in die Kirche, aber ich habe mir noch nie genügend Zeit für die vielen Details der Kirche genommen", erklärt Regina Bidian nach der kurzen Einführung des Pfarrers in die Eckdaten der katholischen Kirche. …

Wenige Minuten Fahrt durch die Innenstadt und 52 Treppenstufen später sagt Carla Wohlgemut: "Ich liebe Turmbesteigungen. Da gibt es immer so tolle Panoramen." Neugierig steckt die Seniorin ihren Lockenkopf aus dem kleinen Fenster des Dachstuhls der Alt-Katholischen Friedenskirche. …

Wiesbadener Kurier



5 September 2008:
Beamer statt Gesangbuch

Evangelische Dekanatssynode Wiesbaden stimmt für Jugendkirche
red. Kirchenvertreter des evangelischen Dekanates Wiesbaden haben am Mittwochabend mit großer Mehrheit Plänen für eine evangelische Jugendkirche in Wiesbaden zugestimmt. Propst Sigurd Rink nannte die Entwicklung der Jugendkultur dramatisch, denn die Nutzung des Computers stehe weit vor allen anderen Aktivitäten. Dennoch sei das Interesse an religiösen Themen da, besonders für andere Formen der Musiksprache im Gottesdienst. "Wiesbaden sollte hier Vorreiter sein", urteilte Rink.
 In Deutschland gibt es, wie der bisherige Stadtjugendpfarrer Dr. Frank Löwe ausführte, 120 evangelische, freikirchliche oder katholische Jugendkirchen. Die evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) betreibt mit der Peterskirche ein großes Zentrum für Heranwachsende in der City Frankfurts. In Wiesbaden hat bislang nur die katholische Kirche mit der Jugendkirche Kana ein Objekt, das die Arbeit mit Schulen in den Mittelpunkt stellt. Das protestantische Projekt würde Erlebnisgottesdienste, spirituelle Angebote, jugendkulturelle Veranstaltungen sowie Workshops, Seminare und einen Bistrobereich anbieten und damit das "geistliche Profil" betonen.
Die Investitionskosten werden derzeit auf mehr als 500000 Euro geschätzt. Im Einzelnen wird das erst abzuschätzen sein, wenn eine Kirche ausgewählt ist. Bislang haben sich die Oranier-Gedächtnis-Kirche in Biebrich sowie die Ringkirche beworben.  
Dekan Hans-Martin Heinemann hatte die kirchliche Innovation für die Landeshauptstadt in die Dekanatssynode eingebracht. Mit zahlreichen Bildern (Charts) einer Powerpoint Präsentation erläuterte er die Notwendigkeit einer konsequenten Ausrichtung der Jugendkirche. "Wir übersetzen die Botschaft in die Lebenswelt der Jugendlichen - in eine Kultur, die ihnen entspricht", sagte er.
 Ein neu gestalteter Kirchenraum biete den jungen Menschen einen Anziehungspunkt, nicht nur Kulisse. Statt eines Gesangbuches gebe es einen Video-Beamer. Fürbitten könnten die Jugendlichen und Kinder - 21.000 im Alter von 6-27 Jahren gibt es in der Stadt - per SMS direkt auf die Leinwand senden.
"Wollen wir, dass unsere kirchlichen Orte Strahlkraft haben?" fragte der Dekan. Ziel der Initiative sei auch, alte Kirchen neu zur Geltung kommen zu lassen.

Wiesbadener Tagblatt


3. September 2008:
Musik, Theater und Lesungen

Gemeinden verschiedener Konfessionen laden zur Wiesbadener Nacht
Und die Nacht leuchtet wie der Tag." - Unter diesem Motto steht die Wiesbadener Nacht der Kirchen am Freitag, 5. September. An der Aktion beteiligen sich 15 Gemeinden fünf unterschiedlicher Konfessionen. Sie bieten in ihren Kirchen von 18 Uhr bis 24 Uhr 50 Veranstaltungen an. Die Palette reicht von Führungen über Ausstellungen, Kino bis hin zu Lesungen und Konzerten.

Mit von der Partie ist etwa die evangelische Ringkirche, die in die Nacht mit einer Kirchenführung zum Thema "Orientalismus und historistischer Baustil" mit Pfarrer Ralf-Andreas Gmelin startet. Ehrenamtliche Helfer der Wiesbadener Tafel zeigen derweil Interessierten in der Stephanuskirche, Klarenthaler Straße 22, wo und wie sie alltäglich Lebensmittel an Bedürftige austeilen (18 bis 19.45 Uhr). …
Während der Nacht der Kirchen verkehren kostenlose Shuttle-Busse. Als Fahrausweise gelten die Programmhefte der zur Veranstaltung, die etwa im Rathaus ausliegen. sab

Mehr Informationen im Internet: www.kirchen-wiesbaden.de

Frankfurter Rundschau


2. September 2008:
Kantor Hans Kielblock vor seinem Ringkirchen-Konzert

Seit 2006 engagiert sich der 1980 geborene Hans Kielblock als Ringkirchen-Kantor für Wiesbadens Musikleben. Am morgigen Mittwoch, 3. September, gibt Kielblock gemeinsam mit dem Wiesbadener Staatsorchester-Posaunisten Tim Raschke in der Ringkirche ein Konzert mit selten zu hörenden Werken für Orgel und Posaune. Auch eine neue Komposition Raschkes steht auf dem Programm. Der Eintritt zu dem um 19.30 Uhr beginnenden Konzert ist frei, Spenden sind erbeten. Die Fragen an Kielblock stellte Volker Milch.

Herr Kielblock, die Ringkirche wird ja umfassend renoviert. Welche Auswirkungen haben die Arbeiten auf die Kirchenmusik?
Kielblock: Die Restaurierungsarbeiten an der Ringkirche betreffen zur Zeit ja nur die Außenhaut. Aber im Laufe der Turmsanierung wird noch ein für mich spannender Punkt erreicht, wenn das Fenster der Turmhalle, in der die Orgel steht, restauriert und dazu ausgebaut wird. Dafür ist dann vielleicht ein Teil-Abbau der Orgel nötig.

Welche Werke stehen morgen im Zentrum?
Kielblock: Zum einen haben wir versucht, Originalmusik für Posaune aus dem 19. Jahrhundert zusammenzustellen. Die Posaune ist als Soloinstrument eher rar. Dennoch haben wir ein paar schöne Kompositionen gefunden. Dabei kristallisierte sich ein zweiter Schwerpunkt heraus: der Choral "Was Gott tut, das ist wohlgetan". Dieser ist in einer Original-Komposition für Orgel und Posaune von Julius Schneider, Organist an der Werderschen Kirche in Berlin um 1850, überliefert. Außerdem wird ein Variationenwerk über denselben Choral von Alexandre Guilmant für Orgel solo gespielt, der mit dem Morceau Symphonique ebenfalls eine Originalkomposition für Posaune beigesteuert hat.

Der Titel von Tim Raschkes Stück für Posaune und Orgel, "Euphonie", verspricht einigen Wohlklang.
Kielblock: Die Kombination von Orgel und Posaune ist schon eine ganz besondere: Die meisten Instrumente sind im Vergleich zur Orgel einfach zu leise, während die Posaune als gleichberechtigter Partner auftreten kann. Gerade das Zusammenspiel des warmen Posaunenklangs mit dem farbenreichen, aber dagegen etwas starren Orgelklang klingt in meinen Ohren besonders schön.

Wiesbadener Kurier



6. August 2008:
Rafik Schami in der Ringkirche

15 Gotteshäuser laden zur "Nacht der Kirchen" am 5. September ein



Der aus Syrien stammende Schriftsteller Rafik Schami wird seinen neuen Roman vorstellen. Archiv/Windolf

 

 

red. WIESBADEN Kino und Konzerte, Liturgie und Lesungen, Theater, Gospel und Gute-Nacht-Café: Zum siebten Mal findet in diesem Jahr am 5. September die "Nacht der Kirchen" statt. 15 Gotteshäuser sind geöffnet und laden Besucher zu einem 50 Punkte umfassenden Programm ein. 
Licht ist 2008 das große Thema der "Nacht der Kirchen". Die Teilnehmer können sich von Gregorianik und Orgelmusik bei Kerzenschein verzaubern lassen, erleben das östliche Licht in der russischen Kapelle auf dem Neroberg bei einer Hommage an Polen oder bei orientalischen Speisen, Erzählungen und Klängen aus 1001 Nacht.

Die Marktkirche bietet ein außergewöhnliches "Lichterlebnis". In Zusammenarbeit mit Professor Harald Hofmann von der Technischen Universität Darmstadt und einer Wiesbadener Veranstaltungsagentur wird das Kirchenschiff zu einem sakralen "Lichtraum". Um 20 Uhr können Besucher zudem ein Orgel- und Posaunenkonzert mit Marktkirchenkantor Hans Uwe Hielscher und dem Nassauischen Blechbläserensemble hören.

Die historische Pfarrkirche Kloppenheim soll ebenfalls "in neuem Licht" erstrahlen. Mit  Hilfe des Lichtplaners und Architekten Stephan Horn lädt die Kloppenheimer Kirchengemeinde ihre Besucher zu einer faszinierenden Rauminstallation aus Licht und Klang. Ab 21 Uhr gibt es auf dem Kirchenvorplatz zudem ein Open-Air-Konzert der Wiesbadener Band "Best Age". Vorher können Skater sich auf eine Tour von Erbenheim nach Kloppenheim begeben. Einen Abend wie aus 1001 Nacht bereitet die Ringkirche vor und will damit den Beweis antreten, dass auch in unseren Tagen die orientalische Kultur kostbare Impulse für die deutsche kulturelle Gegenwart leistet, wie die Geschichten aus 1001 Nacht über 500 Jahre Europäer be- und verzaubert haben. Der Abend beginnt um 18 Uhr mit einer Kirchenführung. Pfarrer Ralf-Andreas Gmelin spürt der Frage nach, wie orientalische Formen in die Baukunst des Historismus gerieten. Um 20 Uhr stellt der in Syrien geborene Rafik Schami sein am 20. August erscheinendes Buch "Das Geheimnis des Kalligraphen" vor. Schami galt lange als Großmeister der überschaubaren Erzählung, hat aber bereits 2004 mit "Die dunkle Seite der Liebe" bewiesen, dass er auch den Roman meisterhaft beherrscht. Im Vortrag, den er meistens frei von einem Manuskript hält, steht er in der Tradition des syrischen "Hakawati", eines Geschichtenerzählers, der früher in vielen arabischen Teehäusern auftrat, um die Hörer in Spannung zu halten.

Nach diesem literarischen Einblick in Kultur und Gemüt von Menschen, die in Damaskus leben, der Frage nach Nähe und Distanz von Muslimen und Christen, wird anschließend eine Zusammenführung von West und Ost zu hören sein: Die türkische Sängerin Meric Yurdatapan mit ihrer Jazzformation "Mericimsi" wird in der Ringkirche zu hören sein. Aus der türkisch-orientalischen Tradition stammen Themen und Texte der Lieder und Elemente der Gesangstechnik. Rhythmus und Harmonik sind von westlichem Jazz geprägt. Während dieses Abends steht in der Reformatorenhalle zudem eine Rondo-Bar bereit, die Pikantes und orientalisch Gewürztes zum Verkauf bietet.

Karten für den Vortrag von Rafik Schami zu neun und sieben Euro sind bei Buch Habel und im Gemeindebüro der Ringkirche (0611/440281) erhältlich. Der Eintritt für die anderen Veranstaltungen ist frei. Das komplette Programm zum Download im Internet gibt es unter der Adresse www.kirchen-wiesbaden.de.

Wiesbadener Kurier



4. August 2008:
Letzter Blick auf Skulpturen

Finale des Kunstsommers mit afro-brasilianischen Klängen


Finale des Kunstsommer 2008 am Ring mit der Gruppe "Sambalou" und afro-brasilianischen Klängen. Alle Beteiligten der Aktion zogen eine positive Bilanz. Foto: wita /Paul Müller

 

Von Andrea Springer

"Was für ein Tag für einen Tagtraum": Einmal vom Chef persönlich über den Ring spazieren gefahren zu werden - dies Vergnügen gönnten sich Kunstgesinnte zum Abschluss des Skulpturenparks. Sie bekamen ihren Spaß durch die musikalische Begleitung von Best Age versüßt. Mit Stefan Burghardt von der ESWE-Verkehr gondelten die Besucher mit der Kulturlinie 1 an der Kunst entlang. Den Fußgängern heizte "Sambalou" mit afro-brasilianischen Rhythmen ein.

Derart gut gelaunt und von der Kunst inspiriert flanierten oder kutschierten die Interessierten den Parcours der "12 am Ring" entlang, von denen zwei der Stadt erhalten bleiben: Gabor Töröks "Lauf der Zeit" und Miriam Wetzels "Boxhaltstelle". Allerdings sollen die Sandsäcke der Wiesbadener Künstlerin auf dem Schulberg zur Geltung kommen. Dies würde bedeuten, so kritische Stimmen, sie aus dem Kontext zu reißen und "abzuschieben". …

In den drei Monaten hat die Kunst den Fluss der Dinge "ergänzt, betont" und ist ihm auch zuweilen "in die Quere gekommen", zog Kulturdezernentin Rita Thies anlässlich der Finissage des Kunstsommers 2008 Bilanz. Der viel befahrene Erste Ring hat als Skulpturenparcours eine Aufwertung erfahren, den anfänglichen Unkenrufen zum Trotz. Natürlich, so Thies vor der Ringkirche weiter, habe es zu Beginn "Bedenkenträger" gegeben. Im Nachhinein verbuchte sowohl die Kulturamtschefin, als auch die IG Galerien die Resonanz auf den Versuch, den "Fokus auf ein verlorenes Stück Wiesbaden" zu lenken, als sehr positiv.

Wiesbadener Tagblatt



31. Juli 2008:
Abschiedsfest für die "12 am Ring"

Für Galeristin Christine Rother steht am Sonntag das Kunstsommer-Finale im Mittelpunkt



Galeristin Christine Rother hat zum Gelingen des Skulpturenparcours am Ersten Ring beigetragen.Foto: wita / Paul Müller

 

WIESBADEN Der fünfte Wiesbadener Kunstsommer "12 am Ring" endet am Sonntag, 3. August, wo er begonnen hat: vor der Ringkirche. Ab 12 Uhr wird dort gefeiert. Zum Fest lädt die Interessengemeinschaft Wiesbadener Galeristen ein. Erwartet werden "mindestens 400 bis 500 Besucher", so die Galeristin Christine Rother.

Von Ingeborg Toth

An die 500 Besucher waren beim Eröffnungsfest Ende April dabei, berichtet Christine Rother. Warum sollten zur Finissage, zur großen Abschlussveranstaltung weniger Kunstbegeisterte kommen? Die Galeristin hat mit ihren Kollegen zusammen vieles für den Sonntag vorbereitet. Vor allen Dingen ist dafür gesorgt, dass die Besucher noch einmal den "Skulpturenparcours" auf dem grünen Mittelstreifen des Kaiser-Friedrich-Rings zwischen Landeshaus und Sedanplatz per Bus abklappern können. Christine Rother: "Wir haben das ganz gut hingekriegt. Zwischen 13 und 14 Uhr fährt unser Kunstbus immer wieder eine Schleife. Er nimmt die Fahrgäste an den regulären Bushaltestellen auf und bringt sie dann eine oder zwei Haltestellen weiter. Man läuft dann ein paar Stationen ab - und steigt wieder ein." Die Galeristin freut sich darüber, dass die Gruppe Best Age um Hartmut Boger für Musik im Bus sorgt: "Die spielen während der Fahrt."

Vor der Ringkirche steigt das Fest, die Finissage. Die Sorge - hoffentlich wird es nicht zu eng dort. "Wir haben das Fest in unseren Programmen zu einer Zeit angekündigt, als da noch kein Gerüst stand." Mit dem Gerüst für die Sanierung der Fassade ist der Platz kleiner geworden. Christine Rother: "Aber vielleicht sind die Gerüststangen ja auch ganz hilfreich. Wir werden versuchen, dort die restlichen Plakate aufzuhängen. Ich habe jedenfalls vor, dort am Sonntag alles mit Plakaten zu bepflastern, damit viele aufmerksam werden."

Auch noch am Sonntag sollen zehn Kataloge von allen zwölf Künstlern signiert werden, die beim Kunstsommer 2008 dabei waren. Christine Rother rechnet damit, dass alle Mein Wochenende zum Fest kommen und will ihnen Signierstifte in die Hand drücken: "Verkauft werden die Kataloge nach dem Windhund-Prinzip. Wer zuerst kommt, kriegt den Katalog mit den Unterschriften zum ganz normalen Preis von 20 Euro."

Mit ihrem Kollegen Gottfried Hafemann wird Christine Rother auch den offiziellen Teil des Festes managen: "Der Kollege Hafemann und ich werden uns bei den Künstlern für ihre Teilnahme bedanken." Zuvor kommt Rita Thies zu Wort. "Die Kulturdezernentin begrüßt und begründet noch einmal, warum sie zwei der zwölf Arbeiten angekauft hat."

Wie auf unserer Kulturseite bereits berichtet, hat Rita Thies Gabor Töroks am Landeshaus aufragendes schwarzes Tor mit dem Titel "Lauf der Zeit" als eines ihrer Favoriten ausgewählt. Die Arbeit soll auch dort stehen bleiben, wo sie steht. Miriam Wenzels "Boxhaltestelle" - eine farbenfrohe Arbeit mit Boxsäcken - wird angekauft, um den neuen Platz auf dem Schulberg in der Nähe des Kunsthauses zu verschönern.

Noch ein Programmpunkt ist sicher: Vor der Ringkirche unterhält die 16-köpfige Truppe Sambalou das Publikum mit Samba-Getrommel. Die Galeristin Rother: "Vielleicht macht ja auch Titus Grab seine Ankündigung wahr, uns allen noch die angekündigte Performance zu bieten." Aktionskunst vor dem Friseurladen am Ring. Dort hat Grab sein Kunstsommer-Projekt "Plusminus" gestartet. Er rief dazu auf, ihm für seine Arbeit Platten, Bretter, Möbel und Holzteile aller Art sowie Sperrmüll-Stücke zu überlassen. Christine Rother: "Das ist ganz witzig mit den Künstlern. Die versprechen wie Titus Grab einiges - dann hört man nichts mehr. Letztlich schaffen es manche aber doch, ihre Ankündigung wahr zu machen."

Wie bei Vernissagen und Finissagen in den Galerien, darf sich das Publikum beim Anschlussfest an der Ringkirche auf "etwas zu trinken und zu naschen freuen", wie Christine Rother sagt. "Henkell hat uns dankenswerter Weise noch mal 60 Flaschen Sekt zur Verfügung gestellt, die werden wir ausschenken. Aber es gibt auch Nicht-Alkoholisches. Die Soft-Drinks bezahlen wir aus unserem Budget, das uns für den Kunstsommer zur Verfügung stand. Der letzte Rest wird für Getränke und ein paar Happen ausgegeben."

Wiesbadener Tagblatt



26. Juli 2008:
"Gute Auseinandersetzung"

Rita Thies zieht positive Bilanz/Ankauf von zwei Arbeiten geplant



Miriam Wetzels "Boxhaltestelle" animiert zur Interaktion. Die Boxsäcke thematisieren auch die typische Situation des Wartens. Die Arbeit soll einen neuen Platz auf dem Schulberg finden.

Als "großen Erfolg" wertet Wiesbadens Kulturdezernentin Rita Thies den diesjährigen Kunstsommer: "Es hat eine gute Auseinandersetzung mit den Kunstwerken am Ersten Ring stattgefunden." Eine Woche vor dem Finale des Skulpturenparcours "12 am Ring" - Ausklang ist am Sonntag, 3. August, ab 12 Uhr in Höhe der Ringkirche - zieht die Dezernentin eine durchweg positive Bilanz.
 
Von Birgitta Lamparth

Als gelungen bezeichnete die Kulturdezernentin auch den Ort des Geschehens: Den Grünstreifen auf dem Ersten Ring zwischen Sedanplatz und Landeshaus. Dieser Gürtel inmitten der stark befahrenden Straßenseiten sei von vielen Besuchern erstmals in dieser Weise wahrgenommen worden. "Das ist nicht nur eine Strecke mit den zwölf künstlerischen Positionen, da ist auch von vielen Leuten gesagt worden: Da muss mal was gemacht werden." Das sei ein Anlass, mit dem Grünflächenamt, das auch ihrem Dezernat angehört, dort nun tätig zu werden.

Für den Kunstsommer 2010 gebe es bereits einige Ideen, so Thies. Voraussichtlich werde ein Kurator ihn gestalten. Das Kulturamt hatte den Kunstsommer jetzt zum zweiten Mal gemeinsam mit der Interessengemeinschaft der Wiesbadener Galeristen (IG) präsentiert - eine Kooperation, die sich bereits beim Kunstsommer im Kurpark vor vier Jahren bewährt hat und sicher auch in Zukunft turnusmäßig zustande kommen wird. Und ebenso wie beim Skulpturenpark 2004 sollen auch diesmal Arbeiten des Kunstsommers über die temporäre Präsentation hinaus in der Stadt bleiben.

Rita Thies hat dazu zwei Werke ins Auge gefasst, die sie gerne ankaufen möchte. Zum einen Gabor Töroks am Landeshaus aufragendes, schwarzes Tor mit dem Titel "Lauf der Zeit". Dies sollte auch an diesem markanten Ort stehen bleiben.

Und Miriam Wenzels "Boxhaltestelle". Die farbenfrohe Arbeit mit Boxsäcken könnte, so Rita Thies, einen neuen Platz auf dem Schulberg in der Nähe des Kunsthauses finden: "Das wäre dort eine wunderbare Intervention im öffentlichen Raum." Der Spielplatz dort soll ohnehin überarbeitet werden.

Wiesbadener Tagblatt



23. Juli 2008:
Jetzt sind die Zwillingstürme dran

Bis zum Ende des Jahres 2009 soll die Renovierung der Ringkirche abgeschlossen sein







Wird zurzeit eingerüstet: die Ringkirche am oberen Abschluss der Rheinstraße.RMB/Kubenka

 

 

 

 

 

WIESBADEN Mit der Einrüstung der beiden Zwillingstürme begann jetzt im sechsten Jahr der letzte Bauabschnitt der Renovierung der Ringkirche. In zwei Wochen soll das Gerüst stehen, Ende 2009 die Renovierung abgeschlossen sein.
 
Von Manfred Gerber

Die dringend notwendig gewordene Renovierung des Bauwerks aus dem Jahr 1884 hatte 2003 an der Südfassade begonnen. Seither sind drei Millionen Euro in die Runderneuerung geflossen. (Saurer) Regen und Schnee, aber noch mehr in der Luft herumfliegende Mikroben und vor allem Tauben hatten diesem Wiesbadener Wahrzeichen des Protestantismus zugesetzt. Vom Dach der Kirche hat man bislang schon 60 Tonnen Taubenkot heruntergeschafft.

Vom Taubenkot wird man auch noch die beiden Zwillingstürme und den südlichen Seitenturm befreien, der ebenfalls eingerüstet wird, bevor die Dachdecker und Spengler, Schreiner, Maler und Steinmetze anrücken. Laut Rainer Mudersbach, Geschäftsführer der beauftragten Planungsgruppe HTWW, werden sie alle bis Ende 2009 brauchen, um der Ringkirche wieder ihren alten Glanz zu verleihen.

Mit Personenaufzug

Um täglich die 42 Höhenmeter bis zu den Turmspitzen zu überwinden, wird nicht nur ein Lasten-, sondern auch einen Personenaufzug installiert. Wegen jedes Handgriffs die 21 Gerüstlagen hochzuklettern, sei den Arbeitern nicht zuzumuten, sagt Architekt Mudersbach. Wenn das Gerüst steht, werden die Türme zuerst entmoost und entkotet. Danach wird die Ringkirchen-Baukommission eine Begehung vornehmen und festlegen, welche Steine der Fassade so marode sind, dass sie komplett ausgetauscht werden müssen. Andere werden geflickt. Ist das geschehen, werden die Steine wieder verfugt. Das Skelett der Ringkirche besteht aus Ziegelmauerwerk, das mit Pfälzer Sandstein verkleidet ist.

Später muss der Glockenstuhl entrostet und neu angestrichen werden. Weil der Glockenstuhl Risse hat, ist es auch erforderlich, seine Statik zu sichern. Das erfolgt mit einem Spannstahl, der ähnlich wie bei einem Brückenbogen die Kraft der schwingenden Glocken gleichmäßig am Turm verteilt.

Finanztechnisch handelt es sich bei den abschließenden Bauarbeiten um den fünften und sechsten Bauabschnitt, für die die Evangelische Gesamtkirchengemeinde 200 000 Euro aufbringen muss. Die Gesamtkirchengemeinde ist ein besonderes Gebilde, in der sämtliche evangelischen Innenstadtkirchengemeinden zusammengeschlossen sind.

Finanzierung unsicher

Mit der Finanzierung hängt die Gesamtkirchengemeinde allerdings noch ein bisschen in der Luft. Denn für die 200 000 Euro gibt es noch keine verbindlichen Zusagen. Im April 2008 hatte der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Professor Gottfried Kiesow, anlässlich eines Besuchstermins in Aussicht gestellt, für die Jahre 2009 und 2010 jeweils 100 000 Euro zuzuschießen. "Wenn das Geld nicht kommen würde, müsste man das anders finanzieren", sagt der Chef der Bauabteilung der Gesamtkirchengemeinde Heiner Schmiedeberg. Wie, das weiß noch keiner. Darüber müsste dann der Vorstand beraten.

Die Ringkirche war 1884 von dem Berliner Architekten Johannes Otzen nach dem sogenannten Wiesbadener Programm der Einheit von Altar, Kanzel und Orgel fertiggestellt worden. Otzen hatte schon die Bergkirche gebaut. Im Kaiserreich galt die Ringkirche bald als "Dom der kleinen Leute".

Wiesbadener Kurier



12. Juli 2008:
Zur Rast gibt´s biblische Impulse

Pfarrer Ralf Gmelin plant spirituelle Bewegung


 Pfarrer Ralf Gmelin bereitet sich auch theoretisch auf das Pilgern vor. Foto: Iris Heymann

 

Von Anja Baumgart-Pietsch

Auf dem Jakobsweg ist er - im Gegensatz zu vielen Kollegen - noch nicht selbst gewandert. "Vielleicht mache ich das auch mal", sagt Ringkirchen-Pfarrer Ralf Gmelin. Pilgern ist "in" - viele Menschen suchen in der Bewegung die Spiritualität, gemäß der alten Weisheit: Der Weg ist das Ziel. Aber man muss nicht gleich hunderte von Kilometern zu Fuß zurücklegen, um sich als Pilger zu beweisen. Es geht auch kleiner - und auch ganz in der Nähe. Auf dem "Elisabethpfad" zum Beispiel. Der führt auf einer Strecke von 145 Kilometern von Frankfurt nach Marburg. Er wurde zwischen dem Kloster Altenburg, wohin Elisabeth ihre Tochter Gertrud zur Erziehung brachte, und Marburg bereits 1994 angelegt. Zur Jahrtausendwende wurde der Weg von der Evangelischen Kirche bis nach Frankfurt verlängert. "Die Route ist so gewählt, dass sie zugleich dem Bedürfnis heutigen Wanderns und Pilgerns gerecht wird, als auch Natur- und Schöpfungserlebnisse vermitteln kann", heißt es in der Pilgerbroschüre.

Das will Pfarrer Gmelin nun mit einer Gruppe erkunden. Wobei er nicht den ganzen Weg gehen will, sondern nur den letzten Abschnitt, von Damm nach Marburg. "Das sind 21 Kilometer, wer ganz gut zu Fuß ist, sollte das an einem Tag schaffen", meint der Ringkirchenpfarrer, der den Termin für den 6. September angesetzt hat. Das sei genau das Richtige für diejenigen, die einmal prüfen wollen, ob Pilgern etwas für sie sei. Gmelin unterscheidet diese Art der "spirituellen Bewegung" aber klar von Wallfahrten. "Wir werden beim Gehen auch abschnittweise schweigen, um wirklich in uns gehen zu können." Wobei er die Art des spirituellen Erlebnisses jedem selbst überlassen will: Für den einen sei es mehr die Stille, für den anderen die Bewegung, für den dritten das Naturerlebnis, das am stärksten beeindrucke.

Eine Gruppe von etwa 15 Personen schwebt dem Pfarrer vor. "Eingeladen sind Christen und Nichtchristen, Kirchenfremde und Fromme, Frauen und Männer, Junge und Alte" beschreibt er die Zielgruppe. Den Pilgerweg sieht Gmelin als "Beten mit den Füßen", als Allegorie auf das ganze Leben, "weil doch alles Unterwegssein auf Erden Pilgerfahrt ist". Rucksackverpflegung -ohne Alkohol und Nikotin - sollte mitgebracht werden, ein einfaches Abendessen wird gemeinsam eingenommen. An verschiedenen Rastplätzen möchte Pfarrer Gmelin "biblische Impulse" einbauen, den Anfang des Pilgertages bildet ein gemeinsames Abendmahl in der Ringkirche, wo zum Schluss auch ein Dankgebet gesprochen wird. "Vielleicht ist dies der Auftakt zu mehr derartigen Veranstaltungen, möglicherweise ein mehrtägiges Pilgern auf dem Elisabethpfad", plant der Pfarrer, der sehr gespannt auf dieses neuartige Vorhaben ist.

Wer mit möchte, aber sich die 21 Kilometer nicht zutraut, kann auch in Marburg bleiben, wo das Rückfahrzeug gleich zu Anfang abgestellt wird, und auf die Ankunft der Wandergruppe warten. In der dortigen Elisabethkirche gibt es viel zu sehen und über das Leben dieser "politischen Heiligen", wie Gmelin die mildtätige Fürstin nennt, zu erfahren.

Anmelden können sich Interessenten im Gemeindebüro , Telefon 0611 / 44 02 81; Internet: www.elisabethpfad.de

Wiesbadener Tagblatt



9. Juli 2008:
24 Stunden Kontrolle

Messstation an der Ringkirche liefert Daten zu Luftschadstoffen


In der Luftmessstation an der Ringkirche wacht Angelika Broll vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie über die Anteile der Schadstoffe in der Luft. RMB/Windolf

 

WIESBADEN Acht von 31 hessischen Luftmessstationen stehen an Verkehrsschwerpunkten. Eine davon ist die Station an der Ringkirche. Ihre Messwerte sind für die Anwohner nicht besonders erfreulich. 

Von Helmut Weinberger

Der Container mit den futuristischen Aufbauten und der bunten Bemalung steht nicht ohne Grund genau gegenüber der Ringkirche. Der dort vorbeilaufende Kaiser-Friedrich-Ring gehört zu den Straßen mit dem höchsten Verkehrsaufkommen in Wiesbaden. Der Container mit seinen Messgeräten ist eine von insgesamt 31 Messstationen des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie (HLUG). Die Messstation an der Ringkirche und sieben weitere Stationen sind an Verkehrsschwerpunkten in Hessen aufgebaut.

"250 000 Euro kostet es, eine solche Station hinzustellen. Dazu kommen jährliche Betriebskosten von etwa 30 000 Euro für Betriebsgase, Strom, Datenübertragung und Geräteersatzteile", erklärt Angelika Broll vom HLUG. Die Station steht seit 1991 an der Ringkirche. Sie läuft rund um die Uhr und misst insbesondere die an Verkehrsschwerpunkten relevanten Luftschadstoffe, für die es in der Bundesimmissionsschutzverordnung Grenzwerte gibt. Das sind Kohlenmonoxid, Stickoxide, Benzol und Feinstaub.

Das im lufthygienischen Jahresbericht 2007 des HLUG zusammengestellte Bild aus den Rund-um-die-Uhr-Messungen zeigt eine hohe Belastung mit Luftschadstoffen im Gebiet an der Messstation Ringkirche. Wie bei der Auswahl des Standortes nicht anders zu erwarten, liegen die Messwerte - wie auch bei den anderen Verkehrsschwerpunkten - deutlich über den gemessenen Werten an den restlichen Stationen in den Städten und im ländlichen Raum. So wurde an diesen Stationen auch 2007 wieder der ab 2010 geltende Jahresmittel-Grenzwert für Stickstoffdioxid überschritten. "Spitzenreiter" ist die Station an der Ringkirche beim Jahresmittelwert von Benzol. "Allerdings liegt dieser Wert unter der 2007 geltenden Summe aus Grenzwert plus Toleranzmarge", betont Angelika Broll. Trotz hoher Luftbelastung und Verkehrslärm gibt es allerdings nach Informationen des Mieterschutzvereins und des Hauseigentümerverbands Haus & Grund keine Probleme mit Wohnungsleerständen in diesem städtischen Bereich.

Die Belastung durch Luftschadstoffe in Wiesbaden ist glücklicherweise nicht überall so hoch wie an der Ringkirche. "Ein gutes Bild der durchschnittlichen Luftbelastung in Wiesbaden geben die Messwerte an der Station Wiesbaden-Süd, die Am Hohen Stein in Biebrich steht", erklärt Broll. Die Messwerte aller Stationen werden ins HLUG übertragen, dort aufbereitet und kontrolliert, und der Öffentlichkeit unmittelbar zur Verfügung gestellt. Wer sich darüber informieren möchte, hat eine Vielzahl von Möglichkeiten. Die Werte sind über das Internet, Videotext, Telefon, Fax und Mobiltelefon abrufbar.

Informationen zum Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie gibt es unter Telefon 0611/6939666, Fax-Abruf: 0611/18061000 bis -009, im Videotext bei den hr-Text-Tafeln 178 bis 182 sowie im Internet unter: www.hlug.de

Wiesbadener Kurier



1. Juli 2008:
Mit Humor in Betracht gezogen

Letztes Künstlergespräch mit Török und Hohmann, Bertram und Johnson




Gabor Török mit Miniatur seiner Skulptur "Lauf der Zeit", die am Landeshaus steht.wita/Stotz

 

 

 

Von Andrea Springer

WIESBADEN Der Kunstsommer hat seinen Zenit erreicht. Jetzt war zum dritten und letzten Mal Gelegenheit, sich darüber zu verständigen. Gabor Török und Sabrina Hohmann, Ursula Bertram und Steve Johnson stellten sich der Diskussion. Es sind Unorte, die Steve Johnson in seinen Miniaturen zur Geltung bringt, denen er eine Geschichte unterstellt. Eine Bushaltestelle zieht endlich den Blick auf sich, der sonst sich immer nur in Richtung des erwarteten Gefährts sehnt. Doch dieses Mal wendet sich die Aufmerksamkeit dem Unscheinbaren zu. Gerne befasse sich der Dozent an der University of Arts in London mit "Orten ohne Geschichte", erzählt Johnson beim Künstlergespräch in der Ringkirche.

Und sofort geht ein Raunen durch den Reformatorensaal, das Widerwillen gegen die Behauptung ausdrückt, in Wiesbaden könne es überhaupt etwas ohne Historizität geben. Ein Augenzwinkern hebt die Schwere des wenn auch nicht Gesagten auf und lenkt das Bewusstsein auf diese Plätze, die üblicherweise dort nicht haften bleiben und "überall und nirgends" bedeuten. Solch ein Ort ist schließlich auch der Erste Ring.

Im Rahmen des Kunstsommers ist er als Gesamteindruck in Betracht gekommen. Die "12 am Ring" haben sich auf ihre Art mit dem verkehrstechnisch (wenn auch nicht zu Ende gedachten) relevanten, ansonst unerheblichen (beziehungsweise wenig erhebenden) Konstrukt auseinander gesetzt und markante Eindrücke hinterlassen.

In klassischem Abgussverfahren setzt Hohmann, die dem feinen Strich verbunden ist, ein Zeichen und weckt die Erinnerung an die ohnehin - wenn auch nur ganz vorsichtig - zwischen all der Architektur zitierte Natur. Eng miteinander verwoben, so geht aus dem Gespräch hervor, sind bei ihr soziales Gebilde und Kreatürliches - mittels eines Humors, der "die schönste Form von Ernstsein" ist.

Diese feine Art, die Dinge, die uns beschweren, nicht allzu ernst zu nehmen, durchzieht dieser Tage den Ring überhaupt, verfolgt man die Gespräche mit den Künstlern. Auch diese vier am Ring haben die Gegebenheiten in dem am Kaiser-Friedrich-/beziehungsweise Bismarckring gelegenen Viertel zum Ausgangspunkt genommen und aus ihrem Blickwinkel kommentiert. In Anbindung an ihr Thema, Ökonomie und Kunst in ein spannungsreiches Verhältnis zu setzen, hat Bertram die Bewohner für ihre "Präzisionsfabrik" gewinnen können. Erstaunt kann nun jeder nachvollziehen, mit welchem Eifer dem Sinn von Kunst (immer wieder ein gern untersuchter Streitpunkt) und dem Zweck des Seins - hierzulande vorzugsweise ökonomischer Art - nachgegangen wird.

Ob sie sich mit dem Zeitfaktor und der Spannung zwischen Bewegung und Ruhe, wie Török, oder mit Identität, wie Hohmann und letztlich auch Bertram befassen, die Kunst hat den Stadtraum belebt und auch die Diskussion um Sinn und Zweck. Möge es uns mit der Kunst ergehen, wie im richtigen Leben, das, wie Török Kierkegaard zitiert, wenn überhaupt "vorwärts gelebt und rückwärts verstanden" wird.

Wiesbadener Kurier



21. Juni 2008:
Taufpaten haben eine wunderbare Aufgabe

Evangelische Kirche lädt Paten und Patenkinder zum Kennenlern-Wochenende/Motto: "Mit allen Wassern gewaschen"





Lars Kessner am Taufbecken der Ringkirche. Eigene Erfahrungen haben den Pfarrer inspiriert, ein Kennenlern-Wochenende für Paten und Patenkinder anzubieten. Foto: wita/Paul Müller

 

 

 

 

Von Stefan Weiller

Am Anfang stand eine Erkenntnis: "Ich habe zwei Patenkinder, von denen ich fast nichts weiß", sagt Pfarrer Lars Kessner aus dem Evangelischen Dekanat in Wiesbaden. "Zweimal im Jahr schickte ich Geschenke und unregelmäßig telefonierte ich mit den beiden Mädchen", erzählt Kessner. Dabei hätte er durchaus gern mehr erfahren über seine Patenkinder, die allerdings mehrere hundert Kilometer entfernt von Wiesbaden wohnen. Das ist die Vorgeschichte, die Pfarrer Kessner auf eine Idee brachte: Ein Kennenlern-Wochenende nur für Patenkinder und Paten.

Die Fahrt, die vom 18. bis 19. Oktober ins 60 Kilometer entfernte Kirchähr führt, ist für Patenkinder von sechs bis zehn Jahren und ihre Paten geeignet. In angeleiteten Gesprächs- und Spieleinheiten sollen sich zwei Menschen besser kennen lernen, die über die christliche Taufe in besonderer Beziehung zueinander stehen. "Das klingt fast spröde, aber tatsächlich haben wir jede Menge Spiele und Aktionen im Gepäck. Langweilig und allzu wortlastig wird das bestimmt nicht", verspricht Pfarrer Kessner.

Begleitet wird der evangelische Seelsorger von seiner Kollegin Simone Mantei aus der Evangelischen Kirchengemeinde in Bad Schwalbach. Für pädagogische Unterstützung sorgt die Gemeindepädagogin Bettina Fuchs.

Speziell für die Erwachsenen will das Team neue Sichtweisen der Taufe eröffnen, oder wieder sichtbar machen. "Ich kenne es ja von mir selbst, mit wie vielen Ideen man das Patenamt übernimmt. Im Alltag bleibt davon aber zu wenig übrig", sagt Pfarrer Kessner. Oft sei der gute Wille da, etwas miteinander zu unternehmen, aber immer wieder fehlten Zeit und Gelegenheit. Dabei sei doch gerade die Patenschaft der Auslöser für eine Beziehung, die besondere Sorgfalt und Pflege verlangt - schließlich gehe es um die Beziehung zu Gott, die man als Pate zu unterstützen bereit war, so Kessner. Hinter dem Patenamt verbirgt sich für Lars Kessner die Vermittlung einer Lebensbewältigungsstrategie: "Der Glaube an Gott vermittelt Fröhlichkeit, Sicherheit und Geborgenheit. Wenn man das einem Menschen mit auf den Weg geben kann, ist das wunderbar."

Welche Aufgaben stellt die Patenschaft, wie kann sie mit Leben gefüllt werden? Die Antwort dazu sei individuell, aber durch den Austausch mit anderen Paten vielleicht leichter einschätz- und umsetzbar. "Wir wollen dazu einladen, sich für diese Fragen ein Wochenende Zeit zu nehmen", sagt Kessner.

Zum Motto der Reise - "Mit allen Wassern gewaschen" - passt die Umgebung der Unterkunft in einer Jugendbegegnungsstätte am Gelbach. "Der benachbarte Bach wird selbstverständlich in unser Spielekonzept mit einfließen", verspricht der Initiator.

Der schönste Effekt wäre, wenn die Freundschaft und das Vertrauen zwischen Paten und Patenkindern am Ende der Reise gewachsen wären. "Vielleicht ein sehr hoher Anspruch", gibt Kessner zu. Doch der Pfarrer, der in der Ringkirche derzeit seinen Dienstauftrag erfüllt, wäre schon froh, wenn diese Reise zu einem besseren Verständnis führen würde und das bisher lückenhafte gegenseitige Wissen mit gemeinsamen Erfahrungen anreichern könnte.

Ganz praktisch könnte das heißen, endlich den wahren Musik- oder Büchergeschmack des Patenkindes zu kennen und künftig die besseren Geschenke auszuwählen. Zwar liegt für Kessner der Sinn der Patenschaft nicht in den Geschenken, aber wer erinnert sich nicht mit Schrecken an manches doofe Geschenk von den Taufpaten, die alle nur eines offenbarten: man kannte einander eigentlich kaum.

Wiesbadener Tagblatt



10. Juni 2008:
Kein Trostpflaster

Zum zweiten Künstlergspräch in der Ringkirche



Miriam Wetzel erläutert ihre "Boxhaltestelle" am Ring.Foto: Müller

 

 

Eigentlich haben die Künstler ihren Teil zum Kunstsommer ja schon geleistet. "Sie haben den Gesprächsbeitrag am Ring abgeliefert", wie Galerist Gottfried Hafemann es formuliert. Nichtsdestotrotz kommen die "12 am Ring" alle drei Wochen im Reformatorensaal der Ringkirche zusammen, um Rede und Antwort zu stehen. 

Von Andrea Springer

Auch Miriam Wetzel, Migu Michael Syed und Titus Grab sowie Georg Zey haben in das Umfeld durch ihre Kunst mehr oder weniger intensiv eingegriffen. So stehen ihre Werke nicht einfach im öffentlichen Raum, sondern haben Aufforderungscharakter.

Denn die Kunst will nicht mehr schönes Beiwerk sein. Bildhauerei, das wird im Gespräch klar, hat sich verändert. Der Bildhauer erstellt nicht bloß ein Produkt, sondern will als Teilhaber des urbanen Umfeldes ernst genommen werden. Wenn schon Stadtmöblierung - dann eine, die Spaß macht und das Denken verändert. Schluss mit den Trostpflästerchen am Bau: Eher intendiert die Bildhauerei nachhaltige Denkanstöße, als artifizielle Barrikaden im Stadtbild.

Sei es der Durchblick, den man durch den überdimensionierten "Jägerzaun" auf die "hoffnungslos" wuchernden Sperr-Gitter erlangt, die Migu Syed am Sedanplatz zitiert, oder gar ein eigener Beitrag in der "Präzisionsfabrik" von Ursula Bertram. In diesem Kunstsommer besteht die Möglichkeit für jene, die immer nörgeln, dass sie das auch könnten, mitzuwirken.

Besonders deutlich ist die Animation bei Miriam Wetzels Boxhaltestelle, deren Angebot fleißig wahr genommen wird, wobei sich vornehmlich die Jugend gütlich tut. Von der Zwillingshaltestelle gegenüber wird das bunte Treiben auch goutiert. "Das Prozessuale an der Kunst" und damit auch die Veränderung des Werkes interessiert die Bildenden Künstler. Stets ist der Rezipienten als aktiver Teilnehmer am Kunstakt mit einbezogen.

Ebenso verhält es sich bei Titus Grab, der dem Bürger die aktive Teilnahme am Schöpfungsprozess ermöglicht, so dass "Plusminus" eigentlich ein Gemeinschaftswerk der Westendler ist. Denn die beiden Zeichen bergen nicht nur Omas Anrichte, die Grab im Frisör-Salon aus dem Quartier angeliefert bekam, sondern Kunstsommer

auch die damit verbundene Geschichte. Gleichwohl ist weder der Gedanken- noch der Materialfluss zu Plus und Minus zu stoppen.

Voller Erstaunen konstatiert Georg Zey jedoch, dass "der Wiesbadener dermaßen zivilisiert" sei, dass sein "Magnet" nahezu unangetastet blieb. Zwei zu entdeckende Farbschichten schlummern unter dem Wolkenweiß des Objekts. Lediglich übertriebener Reinigungseifer des Galeristen Hafemann - und nicht die vielfach gefürchteten Vandalen -, den er gegen die ersten Fußtappen walten ließ, offenbart nach zähem Schmirgeln ein zartes Rot.

Wiesbadener Tagblatt



3. Juni 2008:
Große Aufgabe

Kielblocks Musiker führen "Christus" auf


Hans Kielblock, Kantor der Ringkirche. Archivfoto

hon. "Das Stück hat mich schon lange fasziniert", gesteht Hans Kielblock ein. Also was kann es schöneres geben, als solch ein Vorhaben endlich einmal in die Tat umsetzen zu können. Mittlerweile hat der Kantor der Ringkirchen-Gemeinde seinen Chor und das Streichorchester derart voran gebracht, dass er sie guten Gewissens auch an die größeren Aufgaben heran führen kann. Im Zentrum des Konzerts am Samstag, 7. Juni steht Felix Mendelssohn-Bartholdys "Christus". "Das ist schon eine Herausforderung für uns", so Kielblock. Gleichzeitig scheint es wie für seine Musiker gemacht. Bei dem Stück handelt es sich zwar durchaus um ein relativ großes oratorisches Werk, dennoch ist es im Vergleich etwa zu Bachs Passionen, aber auch zum "Elias" oder "Paulus" von Mendelssohn-Bartholdy selbst noch recht überschaubar. "Es ist das erste richtige oratorische Werk, an das wir uns heran wagen", freut sich Kielblock über die Aufgabe.

Für den Chor ist das ein echtes Ereignis, in der Gemeinde ist eine vergleichbare Aufführung etwa 30 Jahre her. "Natürlich bedeutet das aber nicht, dass wir nun immer so große Ziele haben", betont der Kirchenmusiker. Denn zu den wesentlichen Aufgaben des Chores, der mittlerweile auf etwa 40 Mitglieder angewachsen ist, gehört die musikalische Ausgestaltung der Gottesdienste.

Zusätzlichen Reiz beinhaltet der "Christus" auch dadurch, dass er kein fertiges Werk ist. Er sollte eigentlich mit "Paulus" und "Elias" eine Trilogie bilden, doch der Komponist starb vor der Vollendung. Nun besteht das Werk aus kleinen, in sich geschlossenen Szenen, denen Kielblock eine "unglaubliche Wirkung" zuschreibt. Sehr unvermittelt und schroff folgt hier die Verhandlung vor Pilatus auf die Begegnung mit den Heiligen drei Königen. "Man bekommt einen Eindruck, was daraus hätte werden können", findet er. "Aber was da ist, ist einfach gut", so sein Urteil. Die Mitglieder des Chores waren zunächst erstaunt über das unbekannte Werk, waren aber nach dem Eindruck von Hans Kielblock schnell begeistert. "Das Stück geht direkt ins Herz", findet er.

Das Konzert wird komplett dem Komponisten Mendelssohn-Bartholdy gewidmet sein. Neben dem "Christus" kommt der 42. Psalm zur Aufführung, zudem die Choralkantaten "Verleih uns Frieden" und "Wer nur den lieben Gott lässt walten". Das Konzert in der Ringkirche beginnt um 19.30 Uhr, Eintrittskarten kosten zwischen 8 und 16 Euro.

Wiesbadener Tagblatt



20. Mai 2008:
Von dem "Scheitern der Schönheit"

Böhmelmann, Schönauer, Webel und Tempel bei Künstlergespräch der "12 am Ring"


Thomas Schönauer, Uli Böhmelmann, Hans-Peter Webel und André Tempel mit dem druckfrischen Katalog zum Kunstsommer 2008 und die Galeristen Christine Rother und Gottfried Hafemann als "Hintermänner" der "12 am Ring".Foto: wita / Uwe Stotz

 

Beim ersten von drei "Künstlergesprächen" hatten die Bürger die Chance, mit den "12 am Ring", den Schöpfern der Skulpturen und Installationen des Kunstsommers in Kontakt zu treten.

Von Andrea Springer

Ein Computer und ein Beamer gehören gewissermaßen zur Grundausstattung einer Veranstaltung, zur Vermittlung von Hintergrundwissen. Dass dies sich in der Kunstszene genauso verhält, demonstrierte das erste Künstlergespräch im Rahmen des Skulpturenparcours Wiesbaden 2008. Angetreten mit USB-Stick oder CD, auf denen die ersten vier beim diesjährigen Kunstsommer am Ersten Ring vertretenen Künstler Anschauungsmaterial gespeichert hatten, harrten Uli Böhmelmann, Thomas Schönauer und Hans-Peter Webel sowie André Tempel in der Ringkirche der Fragen.

Überaus interessiert bestaunte das Publikum die gezeigten Arbeiten vorangegangener Zeiten, hörten von Problemen, mit denen sich Künstler herumschlagen müssen. Denn der Stadtraum steckt voller Überraschungen, die Auseinandersetzungen mit Hoch- oder Tiefbauamt auf den Plan rufen oder zu völlig neuen statischen Überlegungen führen, weil: Besonders "unter der Erde lauern" sie. Dies musste der Schöpfer des zunächst der Ringkirche platzierten "Refuge", Thomas Schönauer, erfahren und sich um eine adäquate Statik für sein Werk bemühen.

Doch, hilft solches zu wissen, dem Kunstverständnis? Sicher, nebenhin äußerten die Kunstschaffenden, dass sie "Korrespondenzen" im Umfeld mit ihren Plastiken schaffen (Schönauer). Oder dass sie unter Einbindung des Lichts bei ihrem skulpturalen Schaffen an Lao Tses Satz vom Bewahren des Inneren denken, wie Böhmelmann. Auch die Beschäftigung mit der Geometrie erschließt sich fast von selbst aus Tempels Werk. Und dass Webel eine Unfall-"Situation" ironisch kommentiert, dabei die "Schönheit des Scheiterns, wie auch das Scheitern der Schönheit" in den Blick rückt, ging aus Nebensätzen hervor. Einerseits erleichterte die Technik nicht die Kommunikation, sondern illustrierte eher die Sprachlosigkeit. Andererseits hatten die Künstler allzu große Skrupel, Vorurteile zu schaffen.

Klare Sache: Wenn Künstler ihre Beweggründe, Emotionen und Weltanschauungen in gedrechselte Worte fassen könnten, wären sie Schriftsteller geworden. Andererseits, wenn der "Rezipient" sich in Verwirrung windet, von wegen "ich dachte, er hätte gedacht, aber jetzt weiß ich ..." auch Kunstsommer nicht viel mehr, wie es Matthias Haupt im Künstlergespräch ausdrückte - oder gar die Auffassung in den Raum geworfen wird, dass Kunst nicht Kunst sei, wenn sie verständlich wäre, enthebt jeden noch so wohlgesonnenen Betrachter des guten Willens, an die im öffentlichen Raum stehenden Objekte auch nur einen Gedanken zu verschwenden.

Natürlich ist die Kunst zweckfrei. Aber doch nicht sinnfrei. Und, dass der Künstler den Rezipienten nicht in seiner Betrachtungsweise einzwängen will, heißt doch nicht, dass der Schaffende mit dem, was ihn zur Kunst bewegt, hinter dem Berg halten muss. Die treibende Kraft ist es doch gerade, was den Betrachter zu einem Gespräch mit Künstlern lockt.

Nächstes Künstlergespräch in der Ringkirche: 8. Juni, 17 Uhr.

Wiesbadener Tagblatt



9. Mai 2008:
Gottesdienst, Konzert und Wanderung

Ringkirchengemeinde feiert Pfingsten

red. Am Pfingstsonntag lädt die Gemeinde der Ringkirche zu einem Festgottesdienst um 10 Uhr ein, den Pfarrer Dr. Sunny Panitz halten wird. Es singt die Kantorei unter der Leitung von Kantor Hans Kielblock. Im Anschluss findet etwa ab 11.30 Uhr ein Matineekonzert statt, das eine Benefizveranstaltung mit Bilderausstellung sein wird. Der Erlös kommt dem gemeinnützigen Verein "Süße Hoffnung" zur Förderung der Bildung und Erziehung junger Menschen in Peru zugute.

Es spielt eine renommierte Künstlerfamilie aus Freiburg: Daniel Robert Graf, 1. Solocellist der Oper Frankfurt, Barbara Graf (Violoncello), Mitglied des deutschen Kammerorchesters, Elena Graf ( Violine), mehrfache Preisträgerin, Emanuel Graf (Cello), ebenso mehrfacher Preisträger und Meisterschüler von Prof. Wolfgang Emanuel Schmidt, Berlin. Die Bilder der Ausstellerin Irmgard Pohlmann nehmen Bezug auf die Musiker und deren vorgetragene Werke.

Am Pfingstmontag treffen sich Wanderfreudige zum traditionellen Familienpilgerweg um 10 Uhr an der Ringkirche. Zusammen mit der Stephanusgemeinde und der orthodoxen St. Giyorgisgemeinde wandert die Gemeinde zur Fasanerie, wo um 12 Uhr auf der Gändewiese ein Taufgottesdienst für die ganze Familie stattfinden wird. Teilnehmende werden gebeten, sich für ihr anschließendes Mittagessen ein Picknick mitzubringen oder die Angebote der Fasanerie zu nutzen.

Wiesbadener Tagblatt


 
26. April 2008:
Des Kaisers Kirche feiert Jubiläum

Wilhelm II. engagierte sich in Bad Homburg

Die 1908 geweihte Erlöserkirche in Bad Homburg entstand nach Plänen der von Wilhelm II. favorisierten Architekten Max Spitta und Franz Schwechten.

Von Marianne Kreikenbom

BAD HOMBURG Nicht ohne Grund wartet der Verlag Langewiesche in diesem Jahr mit dem Titel "Die Erlöserkirche in Bad Homburg" auf. Der reich bebilderte Band des Karlsruher Kunsthistorikers Jürgen Krüger erscheint in Langewiesches traditionsreicher Kunstbuch-Reihe "Die blauen Bücher" und bietet mehr als einen nur netten Rundgang durch einen Sakralbau des frühen 20. Jahrhunderts. An dessen Gestaltung beteiligte sich kein geringer als der Kaiser höchst persönlich und auffallend intensiv.

Krügers Buch kommt genau richtig zum hundertsten Jubiläum der Kircheneinweihung, die nach sechsjähriger Bauzeit am 17. Mai 1908 stattfand. Die Erlöserkirche ist Bad Homburgs erste evangelische Stadtkirche und diente bis 1918 zugleich als Residenzkirche Wilhelms II., der es sich nicht nehmen ließ, höchstselbst den Einweihungsfeierlichkeiten beizuwohnen. …

Als Architekt hatte Wilhelm II. zunächst den Berliner Max Spitta favorisiert und nach dessen Tod (1902) den aus Köln stammenden Franz Schwechten. Beide orientierten sich bei der Innengestaltung an der protestantischen Reform-Architektur, wie sie beim Bau der Wiesbadener Ringkirche von Pfarrer Emil Veesenmayer und Architekt Johannes Otzen im sogenannten Wiesbadener Programm begründet worden war.

Besonders überraschend, ja widersprüchlich wirkt die Erlöserkirche auf den Besucher durch den Gegensatz zwischen ihrer strengen äußeren Gestalt in rheinischer Neo-Gotik und ihrem Inneren, das in einer einzigartig aufblühenden Mischung aus goldgrundigen Bild-Zitaten des Byzantinismus und Jugendstils schwelgt. …

Jürgen Krüger: Die Erlöserkirche in Bad Homburg. Schlüssel zum Kirchbauprogramm Kaiser Wilhelm II., Verlag Langewiesche 2008 (Die blauen Bücher). 80 Seiten, rund 100 Farbabbildungen, fadengehefteter Paperback, 7,90 Euro.



Mai 2008:
Thomas Schönauer auf dem Wiesbadener Kunstsommer

Wir sind stolz darauf, dass unser Künstler Thomas Schönauer zum diesjährigen Skulpturenparcours in Wiesbaden eingeladen worden ist. Die Ausstellung wurde gestern bei strahlendem Sonnenschein eröffnet. Ein Besuch lohnt sich! Informationen zum Wiesbadener Kunstsommer erhalten Sie auch unter: www.wiesbadener-kunstsommer.de

„Refuge“
Die Stahlskulptur „Refuge“ weist eine Bewegung von oben nach unten auf und suggeriert, dass sie vom Himmel auf eine freie Fläche von 2,50 m x 2,0 m auf dem Mittelstreifen rechts vor der Ringkirche Richtung Sedanplatz fällt. Sie besteht aus Einzelkörpern, die zwar ein Ganzes bilden, aber in einer unruhigen Dynamik bleiben. Sie nimmt mit ihren zwei vertikalen Haupttürmen direkte Beziehung zu der hinter ihr stehenden Ringkirche auf. Die violette Farbe ist ein Mischton aus dem umgebenden Rot des Sandsteins, dem schwarzgrauen Asphalt und dem Blau des RefugeHimmels.


Technische Details:

Höhe: ca. 5,50m
Tiefe: ca. 2,80m
Breite: ca. 2,40m
Gewicht: ca. 1.200 Kg
Edelstahlblech mit innenliegender tragender Rohrkonstruktion
hochwertige 2-K-Acryllackierung fertiges Betonstahlfundament 2,0mx2,0mx0,3m mit eingegossenen Edelstahlbolzen, auf die die Skulptur geschraubt wird.

Kunstmarkt.com




5. April 2008:
Kein Geld mehr für Ringkirche

red. Die Wiesbadener Ringkirchengemeinde bangt um die weitere Förderung der Außensanierung der Ringkirche. Am Montag sollen Gemeindevertreter zwar eine Finanzierungszusage von 30000 Euro aus Mitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz durch den Vorsitzenden Professor Dr. Gottfried Kiesow erhalten. Aber gleichzeitig habe man, so Gemeindepfarrer Gmelin, seitens der Stiftung und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau sämtliche finanziellen Förderungen eingestellt.

Noch im März hatte auf Initiative der Wiesbadener Bundestagsabgeordneten Kristina Köhler der Bund für die Fassadenrenovierung des Nationaldenkmals am Ring 135000 Euro zur Verfügung gestellt. Die weitere Sanierung der Außenfassade soll mindestens 3,7 Millionen Euro kosten.

Die Ringkirche wurde 1894 eingeweiht, sie ist der erste Kirchenbau, der nach dem "Wiesbadener Programm" vom Berliner Architekten Johannes Otzen ausgeführt wurde. Als "Reformationskirche" entstand sie mit 1200 kreisförmig angeordneten Sitzplätzen.

Wiesbadener Tagblatt

 




20. März 2008:
"Willkommen zur Taufe"

48 Menschen erhalten Sakrament an Ostern / 29 Gemeinden nehmen teil

gil. WIESBADEN Die Wiesbadener Evangelische Kirche wirbt in der City mit dem Plakat "Willkommen zur Taufe" an der Ecke Schwalbacher Straße/Rheinstraße für das kirchliche Sakrament. Das Plakat zeigt eine goldene Taufschale, in die Wasser gegossen wird.

Am kommenden Osterfest werden nun im Dekanat Wiesbaden 48 Menschen getauft. Diese erstmalige Taufaktion ist eine Initiative, mit der die Kirche an ihre eigenen Wurzeln erinnern will. Unter den Täuflingen befinden sich vier Erwachsene, 14 Konfirmanden und 30 Kinder, sagte Kirchensprecher Roger Töpelmann. 29 Gemeinden beteiligten sich an der Aktion - entweder mit einer Feier der Tauferinnerung für Getaufte oder dem Taufvollzug.

In der Marktkirche halten die Pfarrer Holger Saal und Martin Fromme am Ostermontag um 10 Uhr einen Taufgottesdienst ab. In der Lutherkirche hält Dekan Hans-Martin Heinemann am Ostersonntag um 10 Uhr eine Dialogpredigt mit VHS-Direktor Hartmut Boger. In der Ringkirche beginnt bereits um 6 Uhr am Ostersonntag eine Tauffeier, eine weitere folgt am Ostermontag um 10 Uhr.

In der Bergkirche steht am Ostermontag um 11 Uhr eine Taufprozession auf dem Programm. In der Kreuzkirche gibt es am Ostersamstag um 23 Uhr eine Kerzenprozession. Das Stadtjugendpfarramt feiert am Ostersamstag, 21 Uhr, einen Osternachterlebnisgottesdienst in der Ringkirche.

Wiesbadener Kurier



20. März 2008:
Der Triumph des Gotteslamms

Auf dem Altarvorhang der evangelischen Ringkirche steht Christus als Opfer im Zentrum

Der Ringkirchen-Altarvorhang mit Christus-Lamm und Siegesfahne. Rechts Dekan Hans-Martin Heinemann. RMB/Windolf

WIESBADEN Am Karfreitag starb nach biblischer Überlieferung Christus den Tod am Kreuz. Symbolisiert wird sein Opfer durch ein Lamm. In der Ringkirche bildet es das Zentrum des Innenraums: auf einem Altarvorhang, den der Kurier mit Dekan Hans-Martin Heinemann besuchte.

Von Manfred Gerber

Das Ringkirchen-Lamm mit der Siegesfahne, das Zeichen dafür, dass Christi Tod und sein Sieg über ihn untrennbar verbunden sind. Das Symbol ist ein kleines Tier, hilflos Gefahren ausgesetzt und unschuldig.

Ein Lamm im Zentrum der protestantischen Predigtkirche aus dem Jahr 1894 (gebaut vom Berliner Architekten Johannes Otzen nach dem Wiesbadener Programm mit seiner Einheit aus Altar, Kanzel und Orgel). Heinemann ist fasziniert von dieser Spannung zwischen der wilhelminischen Monumentalität des Kirchenraumes und der Schlichtheit des Christus-Symbols. Der Dekan: "Eine kluge Entscheidung, das Lamm in den Mittelpunkt des Antependiums zu stellen." Antependium ist der Fachausdruck für einen Altarvorhang. "Wir können keine triumphatorische Kirche sein", leitet Heinemann aus dieser Symbolik ab.

Nicht immer hat man in der Christenheit so gedacht. Lange genug war die Kirche "ecclesia triumphans". Und die Skulpturen der protestantischen Kämpfer Wilhelm von Oranien und Schwedenkönig Gustav Adolf an der Ostseite zeugen davon, dass immer wieder blutige Gewalt die Auseinandersetzungen zwischen den Konfessionen bestimmte. In der Conche über dem Ringkirchen-Altar hingegen finden wir rundum christlich-friedliche Motive: Jesus und die Jünger beim Abendmahl und Jesus bei der Bergpredigt, wo es heißt: "Selig sind die Friedfertigen."

Jesus als Opferlamm. So deutete das frühe Christentum dieses Traditionsbild aus dem Alten Testament. Es ist in vielerlei Hinsicht voller Symbolkraft. Beim Auszug aus Ägypten werden die Israeliten auf einen Fingerzeig Gottes hin vor der letzten Plage, dem Wüten des Todesengels, geschützt, indem sie das Blut eines geschlachteten Lammes an ihre Türpfosten strichen. Der Todesengel, der in einer Orgie von Gewalt die Ägypter heimsucht, verschont aber das Volk Israel. In der selben Nacht beginnt der Auszug aus der ägyptischen Sklaverei.

Seither feiern die Juden das Pessachfest mit ungesäuertem Brot und dem Schlachten eines Lammes. Ein religiöses Freiheitsfest. Die Sklaven der Südstaaten in Amerika besangen später die Bilder dieser wohl berühmtesten Befreiung der Welt in ihren Spirituals. Da hatte sich der alte Heilsgedanke längst im Christentum internationalisiert.

Am Vorabend des Pessachfestes wurde Jesus verhaftet, verspottetet, verurteilt und gekreuzigt. Das Blut, das er vergossen hat, soll nach dem Glauben der Christen die Menschen von ihren Sünden erlösen und vor ihrem endgültigen Tod retten. Das feiern die Christen am Karfreitag.

Aber wie passt das zusammen: ein Gottessohn, der sich kreuzigen lässt und ein Christus Pantokrator, der Weltenherrscher? Christus ist beides, sagt Heinemann. Er ist der Erniedrigte, der durch tiefste Täler ging, er ist aber auch der Erlöser, sein Opfertod ein Angebot Gottes an uns Menschen. Es ist gleichzeitig das Ende der alten (römischen) Vorstellung, nach der die Menschen den Göttern zu opfern hätten. "Christe, Du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd´ der Welt, erbarm dich unser", heißt es im Agnus Dei der Lutherischen Messe. Christus bringt das Opfer, nicht der Mensch.

Heinemann fallen die Verse Paul Gerhardts ein: "Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld . . ." Es endet mit der Strophe: "Wenn endlich ich soll treten ein/in deines Reiches Freuden/so soll dein Blut mein Purpur sein,/Ich will mich darein kleiden."

Vorbote für Ostern

Am Ende Erlösung und Hoffnung auf das Heil. Das Lamm mit der Siegesfahne ist bereits der Vorbote auf Ostern, Christi Auferstehung. Ein Neuanfang wie der Frühling. Aus Freude darüber werden in der ganzen Welt Osterlämmer gebacken.

Das Lamm auf dem Antependium hat, auch wenn man es nicht nachweisen kann, wahrscheinlich Architekt Johannes Otzen selbst entworfen, sagt Ringkirchenpfarrer Ralf-Andreas Gmelin. Man weiß es aber vom Antependium der Lutherkirche in Apolda in Thüringen, ebenfalls ein Werk Otzens und wie die Ringkirche im Jahr 1894 fertiggestellt.

Wiesbadener Kurier



17. März 2008:
"Ohne einen Namen ist es ja ganz blöd"

Kinder erkunden die Ringkirche/ Pfarrer Gmelin erzählt über die Taufe früher und heute

Pfarrer Ralf-Andreas Gmelin erklärt bei der Führung durch die Ringkirche Anna Sandig und den Kindern Anna, Stefan, Johanna und Niklas, wie eine Taufe abläuft. Foto: RMB/Heiko Kubenka

"Es ist so ruhig hier, alles ist so fein gemacht und sieht so alt aus. Ich mag lieber Party", erklärt meint Anna (7). Eine Party gab es zwar nicht, aber dafür wusste Pfarrer Ralf-Andreas Gmelin bei seiner Führung durch die Ringkirche einige spannende Geschichten aus der Vergangenheit des 1894 erbauten Gotteshauses zu erzählen.

Von Laura-Julie Weißkopf

"Mit der Taufe geht´s los", so das Motto, unter dem die Ringkirchengemeinde zusammen mit dem evangelische Dekanat Wiesbaden und der evangelischen Erwachsenenbildung Kinder zum Erkunden der Kirche eingeladen hatte.

Für Gmelin eine kleine Herausforderung. "Ich denke, wenn man mit Kindern spricht, sieht man sofort, was man selbst noch nicht verstanden hat", schmunzelt er. Den Eindruck erweckt er aber ganz und gar nicht, als er eine Handvoll Neugierige dicht auf den Fersen im Eingangsbereich der Kirche Halt macht. Ein Tisch, eine Wasserschale und der Zahnputzbecher von Tochter Johanna symbolisieren ein Becken wie es im Eingang von mittelalterlichen Kirchen üblich ist.

"Früher durfte man nicht in die Kirche, wenn man nicht getauft war", erklärt Gmelin, "aber heute kann jeder herein." Gesagt, getan. An der Hand ihrer Mütter betreten die fünf bis achtjährigen Kinder das Gotteshaus. Am Altar zeigt der Pfarrer das richtige Taufbecken und die kostbar gearbeitete Taufkanne und -schale. "Der hat aber ganz schön klein geschrieben", beschwert sich Anna, die versuchte, die verschnörkelte Gravur zu entziffern. "Gewidmet von den Frauen und Jungfrauen Wiesbadens 1894." Doch wer sind die geheimnisvollen Frauen? Ralf-Andreas Gmelin erzählt, dass die Inschrift an Frau Generalin Marie von Grolmann erinnert, die das Taufgeschirr gestiftet hatte. Die Jungfrauen waren Dienstmägde aus ihrem Nähkränzchen, die ein paar ihrer wenigen Pfennige dazu gaben.

Das Taufbecken wird von neugierigen Kinderhänden erforscht, große Augen blicken über den Rand des Steines, als Gmelin zeigt, wie Kanne und Schale bei der Taufe benutzt werden. "Früher hat der Pfarrer nur die Schale gepackt und ist damit wie ein geölter Blitz von Haus zu Haus gerannt. Da hatte die Kirche 40.000 Gemeindemitglieder", erinnert Gmelin an die im 19. Jahrhundert üblichen Haustaufen.

Im Gegensatz zu damals ist die Taufe heute für alle etwas Besonderes. Auch für Pfarrer Gmelin, der jedes Jahr ungefähr 15 Kinder und Erwachsene tauft: "Die Taufe ist ein großes Geschenk", sagt er. "Ob man sie nur als menschliches Geschenk des Pfarrers oder als Gabe Gottes betrachtet, hängt vom Glauben ab."

Anna sieht das Ganze viel pragmatischer: "Die Taufe ist etwas Besonderes für mich, weil man da seinen Namen bekommt. Und ohne den ist es ja ganz blöd." Niklas (8) will unbedingt noch die Orgel genauer begutachten. "Ich finde es erstaunlich, dass aus den Pfeifen Töne kommen", sagt er. So ganz versteht er´s auch nicht, als er oben auf der Empore steht und auf die Tasten des Spieltischs drückt. Dafür verrät ihm Gmelin, woher der Organist weiß, was der Pfarrer tut, obwohl er von seinem Platz den Altar nicht sehen kann: In der Ecke hängt ein Rückspiegel. Damit sind zwar nicht die letzten Geheimnisse gelöst, aber die kindliche Neugier ist zumindest befriedigt.

Wiesbadener Tagblatt



8. März 2008:
In klarer, farbiger Registrierung

Zum Orgelkonzert in der Ringkirche mit Florian Wilkes aus Berlin

rhe. Johannes Brahms schrieb seine 11 Choralvorspiele ein Jahr vor seinem Tod 1897, zwei Jahre vorher wurde die Ringkirche ihrer gottesdienstlichen Bestimmung übergeben.

In der Reihe der Mittwochs-Orgelkonzerte war mit Dr. Florian Wilkes der Organist der Berliner St. Hedwigskathedrale zu Gast und interpretierte diesen "Schwanengesang" des Komponisten in der Ringkirche zusammen mit Franz Liszts Bearbeitung des Pilgerchors aus Richard Wagners "Tannhäuser" und der Orgelsonate in B-Dur opus 65,4 von Felix Mendelssohn Bartholdy. Wie in den kurz vorher geschriebenen "Vier ernsten Gesängen" setzt sich Brahms in den Choralvorspielen mit dem herannahenden Tod auseinander, die Kompositionen begegnen diesem unausweichlichen Schicksal in nachdenklich reflektierendem Ton, in dem sich aber doch Glaubensfestigkeit und Hoffnung ausspricht.

In je eigener, klarer und farbiger Registrierung, wechselnd zwischen aufgehellter und behutsam nachgehender Gestaltung, erhielten gläubiger Anruf und Lobpreis ausdrucksstarke Gestaltung. Für die Registrierungskunst des Gastorganisten sprach die Interpretation des Wagner´schen Pilgerchors, so in der transparenten Nachzeichnung der das Thema umspielenden Streicherfiguren.

Mendelssohn Bartholdys Sonate fordert den gestandenen Orgelvirtuosen. Festlich und im ehernen Ton des vollen Werks erklang das eröffnende Allegro con brio, in feinen, besinnlichen Tönen wurde das Andante nachgezeichnet. Nach dem lebendig und filigran nachgezeichneten Allegretto erhielt der Schlusssatz effektvolle, prächtig und brillant aufgelichtete Kontur. Sehr herzlicher und lange anhaltender Beifall im gut besuchten Gotteshaus.

Im nächsten Mittwochs-Orgelkonzert "Toccata V" am 7. Mai um 19.30 Uhr spielt Hans Kielblock Orgelmusik aus dem Mittelalter.

Wiesbadener Tagblatt



4. März 2008:
Mittel für die Ringkirche

red. Die Bundesregierung wird sich auch 2008 mit 135000 Euro an der Sanierung der Wiesbadener Ringkirche beteiligen. Der Bund hat damit die vom Land Hessen beantragten Mittel in voller Höhe bewilligt und die Summe im Vergleich zum Vorjahr um 7000 Euro erhöht. Das gab die Wiesbadener Bundestagsabgeordnete Kristina Köhler vorab bekannt. Der Bescheid wird in diesen Tagen zugestellt. "Ich freue mich, dass die Ringkirche, die wegen ihrer besonderen Bauart seit 2003 als national wertvolles Baudenkmal anerkannt ist, jetzt weiter saniert und erhalten werden kann", sagte Kristina Köhler.

Durch die Sanierung würden auch die vorwiegend beschäftigten klein- und mittelständische Handwerksbetriebe gefördert, so die CDU-Politikerin, die verspricht, sich auch für eine Beteiligung des Bundes im nächsten Jahr einzusetzen. Die Chancen dafür stünden gut.

Umweltschadstoffe und Feuchtigkeit setzen seit langem der Fassade aus Sandsteinen sowie dem Mörtel stark zu. Bund und Land teilen sich einen großen Teil der Kosten für die umfassende Fassadensanierung, die insgesamt auf rund 3,5 Millionen Euro geschätzt werden.

Die Ringkirche, auch "Dom der kleinen Leute" genannt, war eine der ersten evangelischen Kirchen, die 1892 nach dem sogenannten Wiesbadener Programm erbaut wurden und als Reformationskirche Maßstäbe setzte. Dabei wurden die Kirchenbänke um den Altar herum auf gleicher Ebene angeordnet. Dadurch kann das Abendmahl mitten in der Gemeinde gefeiert werden.

Wiesbadener Tagblatt / 7.3. Wiesbadener Kurier



3. März 2008:
Das Schweigen und die Stille aushalten können

Passionsandachten in der Ringkirche als emotionales Erlebnis / Teilnehmer sind sich danach nicht mehr fremd / Bitten werden geäußert





Stille Andacht im Kerzenlicht der Ringkirche. wita/Müller

 


Von Stefan Weiller

WIESBADEN Wie laut Wiesbaden doch ist. Selbst wenn man hinter den dicken Mauern der Ringkirche sitzt, klingen vorbeifahrende Autos wie die Brandung eines aufgewühlten Meers. Und doch will gerade die umtoste evangelische Ringkirche in dieser Passionszeit eine Insel der Ruhe sein. Freitags um Halbacht, wenn Berufsverkehr und Freizeitkultur die Straßen beleben, bittet Ringkirchen-Vikar Paul Schiebe in den Kirchenraum zu innerer Einkehr, Stille und Besinnung. Fünfundzwanzig Minuten "Singen. Schweigen, Segen" sind angekündigt.

Viele junge Menschen 

Rund vierzig Personen lassen sich ein auf das Experiment Stille. Wenige Männer und überraschend viele junge Menschen sitzen im Halbkreis vor dem Altar. Ein nacktes Holzkreuz steht dahinter. Achtzig Kerzen, vielleicht auch mehr, werfen aufgeregte Schatten an die Wände des schönen Kirchenraums. Erst als die schwere Kirchentür geschlossen ist, beruhigen sich die Lichter - und schließlich auch ihre Betrachter. Vikar Schiebe spricht mit gesenkter Stimme Worte ins Dämmerlicht. Gerade denen, die sagen: Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr, soll das tiefe Vertrauen in Gott Trost und Zuversicht schenken, hofft Schiebe. Einige halten die Augen geschlossen, so groß ist ihr Vertrauen in die Runde eigentlich einander unbekannter Menschen. Klavier- und Flötenmusik wechseln sich mit Gebeten und Schriftlesung ab. Taizé-Gesänge füllen den Raum. Dann herrscht wieder Schweigen und Stille - beides gilt es auszuhalten. Vielleicht keine leichte Disziplin in unserer Zeit der Dauerbeschallung mit Musik und Geplapper.

Von der Angst gesprochen

Vikar Schiebe will mit diesem Angebot in der Passionszeit einen meditativen und emotionalen Glaubenszugang vermitteln. Eine Ergänzung zur mitunter als zu intellektuell gescholtenen evangelischen Glaubenshaltung. Wie schön, dass diese Kirche offenbar Gefühl und Verstand zufrieden stellen kann. Alles zu seiner Zeit - aber jetzt ist Stille, in die nach Aufforderung des Vikars eine Bitte hineingesprochen werden kann. Nach jeder Bitte singt die Gemeinde das Kyrie. Dann herrscht wieder fast atemlose, intime Ruhe, bis es jemand wagt, seine Bitte zu formulieren: "Gott, sei bei denen, die Bitternis und Ablehnung erfahren." "Vater, lass uns nicht allein." "Schenke uns Hoffnung, wenn das Leben hoffnungslos ist." "Sei bei denen, die mit einer tödlichen Diagnose leben."

Zum Ende der Andacht wird die Gruppe der Anwesenden einander nicht mehr fremd sein, denn mancher hat von seiner Angst gesprochen, die vielleicht auch die Sorge des Nachbarn ist: Angst vor Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit, Lieblosigkeit, Krankheit. All das gibt es in Wiesbaden - nicht nur an diesem Freitagabend um Halbacht. "Es war eine wunderbare Andacht", sagt eine Besucherin zum Abschied in spürbarer Dankbarkeit zu Vikar Schiebe. Nur langsam löst sich die Gemeinschaft auf. "Bis spätestens nächste Woche", rufen sich einige noch zu und die Kerzen am Altar flackern wieder aufgeregter, als sich die Tür nach draußen öffnet.

Passionsandachten in der Ringkirche: 7., 14. und 21. März, jeweils von 19.30 Uhr bis 19.55 Uhr.

 

www.ringkirche.de